Bilder wie dieses, aufgenommen von Adolf Schlienz, sprechen für sich.  Genau hinschauen lohnt sich.

Bilder wie dieses, aufgenommen von Adolf Schlienz, sprechen für sich. Genau hinschauen lohnt sich.

Eine kleine Dorfgeschichte in Bildern

Nicht nur für MUSE-O, auch für das Stadtarchiv waren Tausende von Glasplatten aus dem Nachlass der Fotografen Schlienz in Gablenberg ein großer Glücksfall. Jetzt sind sie zum einen digitalisiert, zum anderen stellen sie einen wesentlichen Teil der aktuellen Ausstellung im MUSE-O „Dorf-Photographen“.

Bei der Vernissage erzählte Kurator Ulrich Gohl die Geschichte der wiederentdeckten Glasplatten, die eigentlich nach dem Erlöschen des Unternehmens Schlienz weggeworfen hätten werden sollen. Der beauftragte Handwerker tat das nicht und so kam das Material über mehrere Zwischenschritte zu MUSE-O.

Schon auf dem Weg zu den Ausstellungsräumen, im Treppenhaus, ziehen alte Fotografien in ihren Bann: zwei Mädels mit Schultüte, Straßenszenen, ein Festumzug. Meistens waren es die besonderen Anlässe im Leben, die fotografisch festgehalten wurden, sagte Gohl. Zu den häufigen Motiven zählten auch Umgebungsbilder, die nun Blicke in die alte Zeit erlauben und sich an den Bildschirmen mit heutigen Ansichten aus ähnlicher Perspektive überlagern. Als besonderen Glücksfall stufte Heike van der Horst, die zuständige Sachgebietsleiterin beim Stadtarchiv, Bilder ein, auf denen auch die Fotografen selbst zu sehen sind, teilweise sogar bei der Arbeit. „Das ist etwas, was wir ganz selten haben“, sagte sie – Fotografen stehen schließlich normalerweise hinter der Kamera.

Die Ausstellung im MUSE-O ist, so Gohl, „betont puristisch“ gehalten: Die Bilder stehen, ergänzt durch kurze Texte, für sich selbst. Sie zeichneten tatsächlich „eine kleine Dorfgeschichte“, so van der Horst. Den Schwerpunkt bilden die Aufnahmen von Vater und Sohn Schlienz, die von 1909 bis 1984 das Leben in Gablenberg mit der Kamera verfolgten.

Auch der Fotograf Clar aus dem Stuttgarter Osten ist recht umfassend vertreten, vier weitere Kollegen aus anderen heutigen Stadtteilen liefern Vergleichsmaterial: Was und wie haben sie fotografiert? Wie sieht die soziale Wirklichkeit der oft nebenberuflich wirkenden Lichtbildner aus?

Den Kontrapunkt zum Bildmaterial setzten bei der Vernissage Texte: So las Winfried Linse aus dem Buch „Stuttgart – Porträt einer Stadt“ von Hermann Lenz eine detaillierte Beschreibung von Gablenberg vor, während Heike van der Horst einen Bericht des früheren Stuttgarter Fotografen Arthur Ohler vortrug. Und dann konnten die Besucher selbst aktiv werden und nicht nur die Tafeln lesen, sondern sich mit Polaroid-Kameras – die heute gar nicht so leicht aufzutreiben sind – oder dem Handy vor einer der großen Fotostellwände aufnehmen: einmal vor der Gablenberger Hauptstraße zu Zeiten, als noch die Straßenbahn in ihr fuhr, einmal inmitten eines Familienporträts, indem sie selbst durch die ausgeschnittenen Gesichter lugten.