Viele hoffen auf den Erhalt

Es stimmt, dass der Bus 64 auf die Waldebene Ost zu wenig genutzt wird. Doch das hat Hintergründe: Darauf weisen vier der Vereine auf der Waldebene, der 1. Stuttgarter FV 1896, der SV Gablenberg, die Spvgg Stuttgart-Ost und der SV Özvatan in einem gemeinsamen Brief hin, der unter anderem an die Bezirksbeiräte ging. Einen Hauptgrund für die geringe Akzeptanz der „neuen 64“ sehen die Unterzeichner in der Linienführung und in der Unzuverlässigkeit. Vor Beginn des Pilotprojekts hatten sich die Sportvereine wie auch die Handels- und Ge wer - bevereine auf eine durchgängige Verbindung vom Ostend - platz über die Haltestelle Buchwald und die Waldebene Ost zum Frauenkopf ausgesprochen. Das lehnte die SSB ab, sicherte aber kurze Um - steigezeiten am Buchwald zu.

„In der Praxis klappt dies leider häufig nicht“, stellen die Vereine in ihrem Brief fest. Die Linie 45 als Zubringer sei oft durch Stau in Cannstatt, in der Talstraße oder in Gablenberg verspätet – und komme grade an, wenn die 64 Kurs auf die Waldebene nehme. Wer umsteigen wolle, müsse dann auf den nächsten Bus warten. Aufgrund solcher Si - tua tionen zögen viele Sportler wieder das eigene Auto beziehungsweise „Elterntaxi“ oder Fahrgemeinschaften vor. Zu - mal viele Kinder so lange in der Schule seien, dass sie nicht sicherheitshalber einen Bus früher zum Training nehmen könnten.

„Die Linie 64 sollte mindestens bis Gablenberg, besser bis zum Ostendplatz geführt werden, um die Probleme mit dem Umsteigen zu vermeiden. Außerdem sollten die Betriebszeiten besser an die Trainingszeiten und Spielzeiten der Vereine angepasst werden“, fordern die Vereine deshalb. Sie äußern die Vermutung, dass es für die SSB nur wenig attraktiv ist, Jugendliche zu befördern, weil diese ohnehin eine Monatskarte haben.

Mit eigenem Engagement zeigen Vereine, Gastronomen und Gewerbetreibende, wie viel ihnen an einem Fortbestand der Linie liegt. So wurden die schwarzen Kleinbusse vor einigen Wochen mit Cartoons des Handels- und Gewerbevereins Gablenberg aus der Feder von Zeichner Peter Ruge beklebt. Sie bieten nun ein fröhliches, buntes Bild – ein echter Hingucker. Gleich - zeitig wird damit der Betrieb der Buslinie finanziell unterstützt. Ebenso haben sich die Wirte der Waldebene Ost zu einer Bonus-Aktion zusammengeschlossen, bei der sie ihren Gästen gegen Vorlage des Fahrscheins Ermäßigung ge - währen oder etwas spendieren. „Man möchte damit die Fahrgäste auch dafür belohnen, dass sie die Umwelt schonen und Verkehr auf der Waldebene vermeiden“, sagt Michael Harnisch von der Spvgg Stuttgart-Ost.

Er bedauert wie viele andere auch, dass beide Aktionen erst jetzt angelaufen sind, obwohl sie schon vor mehr als einem Jahr im Gespräch waren. Da hat schlichtweg die Kommunikation zwischen den Vereinen und Gewerbetreibenden auf der einen Seite und der SSB und dem beauftragten Busunternehmen auf der anderen Seite gehakt. Schade, finden die Vertreter aus Gablenberg und von der Waldebene. Sie fürchten, dass es schwierig wird, in den verbleibenden Monaten bis Jahresende noch ausreichend neue Fahrgäste zu gewinnen. Dennoch betonen die Vereine von der Wald - ebene: „Wir würden eine Fortsetzung des Betriebs mit geänderten Bedingungen begrüßen.“

Als Voraussetzung für einen Erfolg sehen sie klar einen durchgängigen Betrieb ohne Umsteigen nach Gablenberg oder besser noch bis zum Ostendplatz.

Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaier, die bei der „Jungfernfahrt“ der „neuen 64“ dabei war (siehe Foto), setzt sich ebenfalls für den Fortbestand der Linie 64 ein: „Die Argumente der Vereine kann ich bestätigen. In vielen Gesprächen mit Bürgern werden diese Punkte genannt. Viele sagen mir, wenn der Bus vom Ostendplatz oder in Gaisburg starten würde, wäre er für sie eine Alternative zum Auto. Aus dem Grund teile ich die

Anregungen der Vereine, insbesondere dass eine Verlängerung bis Gablenberg oder den Ostendplatz einen Mehrwert hätte. Leider war es nach der Veränderung der Linienführung der 45 – und nach Jahrzehnten, in denen es mit der Anbindung der Waldebene an den ÖPNV gar nicht vorwärts ging – die Entscheidung, den Betrieb in der jetzigen Konstellation zu testen, bevor es gar keinen gibt. Die Vereine und Gastronomen, der HGV und viele andere zeigen mit der Bonus-Aktion und dem Bekleben des Busses ihr Engagement. Es wäre schade, wenn das Engagement nicht honoriert wird und die Wirksamkeit dieser Maßnahmen durch die zu kurze Zeit sich nicht entfalten kann.“