Foto: Sammlung Gohl  (Uhrengeschäft H. und F. Seber.)Wer die im Dezember beginnende Kaufladen-Ausstellung im MUSE-O besucht, betritt nicht etwa Ausstellungsräume, sondern eine kleine Stadt. Denn die Ausstellungsmacher präsentieren ihre Objekte nicht in Schaukästen oder einfach nebeneinander, sondern haben sie in Einkaufsstraßen und Nebengassen angeordnet. Zur Orientierung für die Besucher liegt ein „Stadtplan“ aus. Und weil das Wirtschaftsleben einer Stadt nicht nur aus Geschäften besteht, ergänzt ein gutes Dutzend Miniaturwerkstätten das Bild. So finden sich Schreinerei, Friseursalon oder Schlosserwerkstatt neben Tante-Emma-Laden oder Hutgeschäft.

Die Mini-Werkstätten konnte MUSE-O von einer Sammlerin und Bastlerin ausleihen, die früher im Stuttgarter Osten wohnte und heute im Allgäu zu Hause ist. Sie stellt die Miniaturen selbst her und hat zudem einen dreistöckigen Kaufladen – sozusagen ein Mini-Warenhaus – zur Ausstellung beigesteuert, eins der Prachtstücke in der Schau.

Aber auch sonst sind jede Menge Schätze zu entdecken. Kurator Ulrich Gohl hat zwar mit seinen Aufrufen für Ausstellungen durchweg gute Erfahrungen gemacht. Mit der bevorstehenden Schau stieß er allerdings auf besonders große Resonanz. „Ich bin richtig geplättet von der Vielzahl dessen, was uns angeboten wurde“, sagt er. Mehr als 30 Personen meldeten sich und boten mehr als 50 Kaufläden an, von Stücken aus dem 19. Jahrhundert bis hin zu modernem Spielzeug. Manche ohne, manche mit Ausstattung, wobei klar sei, so Gohl: „Ein Kaufladen ist keine statische Geschichte.“ Das Inventar ändere sich immer wieder, werde dem Angebot in der realen Einkaufswelt angeglichen. So dürfte nur äußerst selten noch die erste Charge Ware in den Mini-Geschäften liegen. Das soll in der Ausstellung auch sichtbar werden, die Kaufläden würden so gezeigt, wie sie jetzt eingereicht wurden, erklärt der Kurator. Wenn möglich, datiert er den Inhalt – und freut sich sehr über Glücksfälle wie jenes Foto, das ein fast 90-jähriger Bürger abgeben hat: Es zeigt ihn selbst als Kind vor dem Kaufladen, den er für die Ausstellung zur Verfügung stellt.
Auf einer zusätzlichen Tafel werden zudem einige Fotos aus den 1920er-Jahren mit Innenaufnahmen aus echten Einkaufsgeschäften im Stuttgarter Osten gezeigt. „Wir haben vier oder fünf solcher Aufnahmen gefunden“, erzählt Gohl, „das ist etwas ganz Rares“.

Auch viele Erinnerungen sind dem Ausstellungsmacher in Verbindung mit den guten Stücken erzählt worden und finden ihren Platz. „Da gibt es schön was zu erzählen und zu zeigen“, sagt er. Der Bogen in die Gegenwart wird ebenfalls geschlagen. Müsste man doch heute eigentlich ein Geschäft mit Scanner-Kasse zeigen, sagt Gohl, und ebenso den Leerstand von Läden. Beides wird in der Schau nicht versteckt oder zumindest angedeutet. Somit sei die Ausstellung auch „eine Geschichte des Wandels in der Handelsstruktur“, vom Tante-Emma-Laden bis hin zum Internetkauf.

Derzeit wird noch an der Ausstellung gearbeitet und auch der Aufbau wird relativ aufwendig sein, weshalb zwischen Ende der Photographen-Ausstellung und der neuen Schau die Museumsräume rund drei Wochen geschlossen sind. Die Vernissage findet dann am Sonntag, 3. Dezember um 15 Uhr statt. Details dazu können Sie in unserer kommenden Ausgabe lesen.