Karamba Basta lädt immer wieder zu Aktionen auf dem Platz ein. Nach der Vorstellung der Wettbewerbsentwürfe beginnt jetzt die Diskussion um den Schmalzmarkt. Neu ist das nicht: Es ist grade mal 30 Jahre her, dass der Platz neugestaltet und dabei mancher Strauß ausgefochten wurde – zum Beispiel um den Brunnen, der jetzt wieder umstritten ist. Wir möchten mit einigen Hintergründen zur aktuellen Diskussion beitragen.

Ursprünglich war der Schmalzmarkt kein Platz, sondern ein Teil der Gablenberger Hauptstraße. Bis 1935 standen hier zwei Häuserzeilen „mit pittoresken Gebäuden“, weiß Historiker Ulrich Gohl. Mehrheitlich stammten die Häuser, die auch auf einem Foto in der MUSE-O-Ausstellung über Dorffotografen zu sehen waren, wohl aus der Zeit gleich nach dem 30-jährigen Krieg, vermutet Gohl. Er kennt auch „zauberhafte Bilder des Malers Christian Mali“ von dieser Ansicht.

1935 ließen die Nazis diese Häuser abreißen, um einen Aufmarschplatz anzulegen, an dessen Längskante sie das heute noch bestehende lange Gebäude errichteten. Es wurde damals „Haus der Volkstreue“ benannt, später Volkshaus. Auch ein Brunnen mit einem Trog und einer Säule wurde aufgestellt, erschaffen von Wilhelm Julius Frick. Der Stuttgarter Künstler – er war Maler, Bildhauer und Restaurator - galt als „schwäbischer Brunnenvater“, weil er eine ganze Reihe von Wasserspendern schuf. Unter anderem stammt auch den Fischreiherbrunnen an der Ecke Olga-/Blumenstraße von ihm. Frick war Gablenberg eng verbunden, als Atelier erbaute er 1911 das Haus Ameisenbergstraße 61, in dem später – in den 50er-Jahren – eine ganze Reihe weiterer Künstler tätig waren und Ausstellungen stattfanden. Er hat dort bis zu seinem Tod im Jahr 1964 gearbeitet; 1984 fand war in der Petruskirche eine Ausstellung über ihn zu sehen.

Der „Volkshausbrunnen“ in Gablenberg hieß ursprünglich Hitlerjugendbrunnen, weil seine Säule an vier Seiten mit entsprechenden Darstellungen versehen waren. Diese wurden nach dem Krieg entfernt. Im Volkshaus befand sich direkt nach dem Krieg die Zentrale der Antifaschistischen Arbeiterausschüsse für Stuttgart, denn „es war eines der wenigen nicht zerstörten öffentlichen Gebäude der Stadt“, berichtet Historiker Gohl.

Neugestaltung 1987

In den 1980er-Jahren drängte der Gablenberger Handels- und Gewerbeverein darauf, den Schmalzmarkt als Festplatz für die Bevölkerung neu zu gestalten. Zum Streitapfel wurde im Zuge des Umbaus der Brunnen. Der damalige Bezirksvorsteher Peter Fischer war dagegen, ihn auf dem neuen Platz wieder aufzustellen, zeitweise galt Fricks Werk als verschollen, tauchte dann aber im Bauhof in Wangen wieder auf. Schließlich fand man einen Kompromiss in der neuen, abgewandelten Form des Wasserspenders wie er noch aktuell auf dem Schmalzmarkt steht: Der Wasserstrahl tritt nicht mehr aus der Säule, sondern aus einer separaten Leitung auf der anderen Seite des Trogs. Außerdem weist ein mahnendes Schild auf die Nazi-Geschichte des Brunnens hin.

Am Rand des Schmalzmarktes wurde bei der Neugestaltung ein kleiner künstlicher Wasserlauf angelegt. Er symbolisiert den Klingenbach, der früher die obere Gablenberger Hauptstraße herunterkam, offen am Schmalzmarkt vorbeiführte und dann in der Verdolung in der Klingenbachstraße verschwand. Spielende Kinder und gesellige Veranstaltungen waren auf dem Platz immer erwünscht, das Mäuerchen an seinem Rand soll ihrem Schutz dienen. Zur Neu-Einweihung als Festplatz am letzten Augustsamstag 1987 war die Bevölkerung eingeladen und alle Gablenberger Vereine gestalteten gemeinsam das Programm.

Der Brunnen auf dem Schmalzmarkt war schon einmal Streitobjekt. Neugestaltung 2018

Im Zug des Gablenberger Sanierungsgebietes wird nun wieder diskutiert. Die Wettbewerbsentwürfe für den Schmalzmarkt sind bereits präsentiert worden (wir berichteten), eine Diskussion hat an dem Abend im Saal der Petrusgemeinde allerdings nicht stattgefunden. Sie soll im Rahmen der „Projektgruppe Gablenberger Hauptstraße“, moderiert von der Sozialen Stadt Gablenberg, stattfinden. Deren nächstes Treffen ist am Montag, 12. März um 18.30 Uhr. Der Ort stand zum Redaktionsschluss noch nicht fest, kann aber auf www.soziale-stadt-gablenberg.de nachgeschaut werden. Die Projektgruppe ist öffentlich, alle Anwohner oder auch Geschäftsleute der Gablenberger Hauptstraße haben hier die Chance, ihre Vorstellungen und ihre Anmerkungen zum Entwurf einzubringen.

Diskussion

Mauer als Einfassung: Diskussionsbedarf besteht aus Sicht des Handels- und Gewerbevereins bezüglich der Sicherheit: Jetzt ist der Schmalzmarkt nicht nur mit der Mauer, sondern zusätzlich mit einer Absperrung des Gehwegs zur Straße hin gesichert. In den Entwürfen zeigt er sich als offene, bodengleiche Fläche. Kann man das angesichts der Lage in der Kurve und des Straßengefälles verantworten? Was wird spielende Kinder daran hindern, auf die Straße zu laufen?

Bushalt: Dem Planentwurf zufolge sollen die derzeitige Doppelspur für den Bus (abwärts) verschwinden und zugunsten eines breiteren Platzes der Bus auf der Fahrbahn halten. Die Frage, ob dadurch vermehrter Rückstau entsteht, ist berechtigt. Nach Informationen des HGV-Vorstands will die Stadt zunächst einen „Probelauf“ machen, einige Monate lang provisorisch die Fahrbahn verengen und sehen was passiert.

Wasser auf dem Platz: „Wir möchten keine Quellsteine, sondern eine Reminiszenz an den Klingenbach wie der aktuelle künstliche Bachlauf“, sagt der HGV-Vorsitzende Peter Metzler. Auch bei Karamba Basta weiß man, dass Kinder im Sommer sehr gerne in dem „Bächle“ spielen.

Parkplätze: Wenn es dann im zweiten Schritt um die Umgestaltung der Gablenberger Hauptstraße geht, steht für den HGV die Parkplatzfrage an oberster Stelle. „Die Geschäftsleute leben davon, dass man mit dem Auto herfahren und kurz etwas besorgen kann“, sagt Metzler. Daran, dass eine verkehrsberuhigte Straße einkaufende Fußgänger anlockt, kann er nicht glauben – der Blick in vergleichbare Fußgängerzonen wie etwa in Untertürkheim zeige leider ein ganz anderes Bild. Auch für die Anwohner müssten auf jeden Fall vor der Entfernung von Parkplätzen Ersatz geschaffen werden. Die Planer argumentieren zwar, dass der Autoverkehr in Zukunft zurückgehen werde. Aber wann ist es soweit und darf man den jetzt lebenden Menschen im Hinblick auf eine zukünftig prognostizierte Entwicklung den Alltag schwermachen? Beispiele dafür, wie spekulativ vermeintlich wissenschaftliche Prognosen sind, hat es in der jüngeren Vergangenheit zuhauf gegeben: Man denke an Vorhersagen zur Bevölkerungsentwicklung, zur Zahl der Schulkinder oder zum Wohnungsbedarf.

Foto: aia