Bis zum Ende Lebenszeit

R22;Auch wenn man scheinbar nichts mehr tun kann, kann man doch noch unheimlich viel tunR20;, sagt Elisabeth Kunze-Wünsch. Die Theologin spricht von der Zeit vor dem Tod eines Menschen. Seit August des vergangenen Jahres leitet sie das Hospiz in Stuttgart. Dort geht es nicht nur darum, ein Sterben in Würde zu ermöglichen, sondern auch um die Erfüllung der letzten Lebensmonate.

Im vergangenen Jahr hat das Stuttgarter Hospiz sein 25-jähriges Jubiläum begangen, jetzt plant es die Erweiterung: Ein Haus in der Diemershalde wurde gekauft und soll nach dem Umbau fünf von sechs Bereichen des Hospizes beherbergen. Im aktuellen Domizil in der Stafflenbergstraße wird dann ein stationäres Kinder- und Jugendhospiz neu eröffnet.

Hospiz heißt nicht nur das Gebäude, in dem der stationäre Bereich für schwerstkranke und sterbende Menschen untergebracht ist. Der Begriff R22;HospizR20; steht ebenso für ein Konzept, das es jedem Menschen ermöglichen möchte, bei möglichst großer Lebensqualität im Einklang mit sich und seinem Umfeld zu sterben. R22;Nach unserer Vorstellung ist Sterben LebenszeitR20;, sagt Kunze-Wünsch. Lebenszeit, in der man vielleicht Dinge klärt, sich Wünsche erfüllt oder einfach zur Ruhe kommt. Darum geht es im ambulanten Bereich, also bei der Begleitung zu Hause oder bei den Sitzwachen in Kliniken und Pflegeheimen ebenso wie im Hospizhaus. Für dieses Ziel arbeiten die 40 Haupt- und 300 Ehrenamtlichen des Stuttgarter Hospizes. Die Menschen sollen sich gehalten fühlen, geborgen und mit ihren Bedürfnissen ernst genommen, sagt die Hospizleiterin. Während im Krankenhaus vieles nach Leitfaden abläuft, gehe es im Hospiz um die individuellen Bedürfnisse. Und zwar nicht nur um die der Kranken, sondern auch um ihre Angehörigen: R22;Die sind uns genauso wichtig wie die Sterbenden selbstR20;, sagt Kunze-Wünsch, R22;sie leiden oft noch mehr.R20;

Sieben Gäste kann das Hospiz bis zu ihrem Tod beherbergen R11; sieben Schwerstkranke mit entsprechender Diagnose, deren Versorgung zu Hause nicht mehr möglich ist. Manche sterben schon nach Tagen, bei anderen dauert der Aufenthalt viele Monate. R22;Manche Menschen blühen hier nochmal auf und haben eine sehr gute ZeitR20;, sagt Kunze-Wünsch. Die sollen sie dann haben und auskosten, auch wenn Hospizplätze knapp sind.

Im stationären Bereich leben Bettlägerige, aber auch Menschen, die in der Wohnküche gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern essen. Sie hören Musik, lesen, beobachten Vögel, malen in der Kunsttherapie, bekommen Besuch von ihren Angehörigen. Mal sei die Stimmung aufgewühlt, mal ruhig, mal traurig, sagt Elisabeth Kunze-Wünsch. Es werde geweint, aber auch gelacht: R22;Hier wird der Tod nicht tabuisiert, das gibt eine große Freiheit.R20;

Wird ein Kind sterbenskrank, ist das ein besonderer Fall, bei dem die ganze Familie intensiv betroffen ist. Oft vereinsamen die Familien, weil ihr Freundeskreis überfordert ist und Berührungsängste hat. Sehr schwer haben es die Geschwister, die nicht nur die Krankheit von Bruder oder Schwester miterleben, sondern häufig mit ihren eigenen Bedürfnissen zu kurz kommen. Deshalb richtet sich das Angebot des Kinder- und Jugendhospizes ganz besonders an sie und an die Eltern.Wie können Ehrenamtliche solche Aufgaben bewältigen? Sie werden umfassend geschult, wozu auch Selbsterfahrung und die Auseinandersetzung mit eigenen Ängsten gehören. R22;Das ist eine Aufgabe, die man nicht einfach so mit Menschenfreundlichkeit machen kannR20;, sagt Kunze-Wünsch.       aia

Mehr Informationen und Spendenkonto auf www. hospiz-stuttgart.de.