Entwürfe für die Stadt am Neckar

Von der Machbarkeitsstudie bis zur Umsetzung kann der Weg weit sein und bei einem Großprojekt mit Verlegung der B10 und Schaffung eines neuen Stadtviertels wird er das auch. Doch zum Visionenschmieden ist die Voruntersuchung fürs Areal beim Gaskessel, die das Büro Engelsmann und Peters im Bezirksbeirat vorstellten, bestens geeignet.

Stuttgart näher an den Neckar rücken und ein neues Viertel für Wohnen und Gewerbe schaffen, das könnte auf dem Areal zwischen dem Gaskessel und dem Leuze-Bad Realität werden. Die Flächen gehören der EnBW, die sie nicht mehr alle braucht schon mit der räumlichen Verkleinerung des Kraftwerks, das von Kohle auf Gas umgestellt hat, wurde Platz frei. Weitere Grundstücke könnten mittelfristig dazukommen. Man führe Gespräche mit der EnBW, erklärten die Planer im Bezirksbeirat, aber Ergebnis liege noch keines vor.

Ein anderer Dreh- und Angelpunkt für die Quartiersentwicklung ist die B10: Sollte das Viertel tatsächlich an den Neckar rücken, müsste sie überdeckelt oder verlegt werden oder beides. Weitere Themen sind Geologie und Wasserschutz auf dem Areal sowie die Belastung des Untergrunds mit Schadstoffen. Und auch einige denkmalgeschützte Bauwerke, wie der Gaskessel oder Gebäude im Bereich des Wasserwerks, sind zu berücksichtigen.

Vier Verkehrsvarianten haben die Planer entwickelt, mit unterschiedlichen Trassen für die B10, die aktuell direkt am Neckar entlang führt. Mal wird sie nur leicht abgerückt, abgesenkt und von der Landseite her überdeckelt. Das Ufer wäre dann über Treppen zu erreichen städtebaulich kein großer Wurf, wie die Planer selbst meinten. Zwei andere angedachte Verläufe legen die Straße weiter weg vom Ufer, sie würde dann am Gaskessel ins Gelände abbiegen, wodurch man zum Neckar hin recht viel Fläche gewönne. Bei der Maximal-Version verschwindet die Bundesstraße in einem gewaltigen, rund zwei Kilometer langen Tunnel. Dieser könnte aus geologischen Gründen allerdings nicht komplett verbuddelt werden, sondern bekäme eine Überdeckung, die rund zwei bis vier Meter über das heutige Gelände aufragen würde. Gestalterisch hätten die Planer da eine spannende Aufgabe. Als Baukosten für diese Lösung stellten die Ingenieure rund 270 Millionen Euro in den Raum. Das seien noch längst keine Endkosten, sondern eher ein Vergleichswert für die anderen Varianten, die kürzere Tunnelstrecken aufweisen und günstiger kämen. Vor- und Nachteile haben alle Varianten, wobei die teuerste nach Einschätzung der Planer das Maximum an Wohnraum die Rede war von 212 000 Quadratmetern und auch eine autofreie Promenade am Ufer entlang ermöglichen würde. Grundsätzlich könne man sagen: „Die Nutzbarmachung dieses Geländes erfordert einen sehr hohen Kostenaufwand“, so ihr Fazit.

Dem stellte Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaier gegenüber, dass es sich um eine einmalige Chance handle. Die Bezirksbeiräte sahen das ähnlich, beurteilten die Varianten allerdings unterschiedlich. So kritisierte Ulrich Gohl (SPD), dass die von den Planern favorisierte Variante die B10 näher an Gaisburg und Berg rücke ungünstig für die Bewohner. Wie es weitergeht, ob und unter welchen Vorgaben zur Konkretisierung ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben wird, entscheidet der Gemeinderat.