Mauersegler kommen

Im Rahmen des weltweiten Shutdown wegen der Corona-Pandemie bleiben zahlreiche Flugzeuge am Boden, da die meisten Fernflüge gestrichen sind. Der frei gewordene Luftraum bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Zugvögel. „Ziehende Vögel können wegen des stark reduzierten Fernflugverkehrs schneller nach Hause fliegen als üblich“, hat der NABU in einem gemeinsamen Projekt mit der Universität Tel Aviv festgestellt. Ob das auch für die Mauersegler gilt, die jedes Jahr u. a. im Alten Schulhaus Gablenberg bevölkern, wird sich zeigen. Der „Mauersegler beauftragte“ Rolf Kayser von MUSE-O ist skeptisch: „Sie haben ihren Rhythmus.“ Die etwa zehn Paare kommen recht zuverlässig Ende April o der Anfang Mai, um jeweils in einer der 18 Nistboxen zu brüten.

Kayser hat, wie jedes Jahr, Frühjahrsputz in den Boxen gemacht und die Kameras überprüft, die dort installiert sind. Ab Mitte Juni, wenn die Vogeleltern nicht mehr auf ihrem Nachwuchs sitzen, gibt’s wieder „Mauersegler-Kino“. Die Zuschauer können dann Einblick in die Kinderstube der kleinen Könige der Lüfte nehmen, während der Fachmann von einer Box zur anderen weiterschaltet. Bird-Watching ist immer mittwochs, ab 19 Uhr unterm Dach des Alten Schulhauses; wir veröffentlichen die Termine in unserer nächsten Ausgabe.

Sollten die Mauersegler doch schneller im Alten Schulhaus eintreffen, machen die Forscher und der NABU drei Effekte verantwortlich. Erstens kommt es aufgrund der deutlich reduzierten Zahl an Düsenflugzeugen zu weniger bremsenden Luftwirbeln im mittleren und höheren Luftraum, in dem auch der Mauersegler unterwegs ist. Die Vögel benötigen viel weniger Energie und sind deshalb schneller. Ein zweiter Effekt entsteht durch die erheblich gesunkene Menge an Schmutzpartikeln in der Luft. Das verringert im klaren Himmel die Reibung und den Widerstand beim Fliegen. Der Mauersegler, der den Gleitflug nutzt, segelt noch aerodynamischer vorwärts. Nicht zuletzt ist in sauberen Luftschichten die Sicht besser. Vögel orientieren sich nach Sichtflugregeln und kommen zügiger voran, wenn sie einen besseren Überblick aus der Vogelperspektive haben.

„Zusätzlich zum Shutdown-Effekt ist die Natur im Rahmen des weltweiten Klimawandels ohnehin um einige Wochen früher dran. So treffen unsere Zugvögel noch zeitiger in ihrem Brutgebiet im Südwesten ein“, sagt Stefan Bosch vom NABU. Der „Verfrühungseffekt“ ermögliche nicht nur Mauerseglern, sondern auch Rauchschwalben, Gartenrotschwänzen und Pirolen einen Schnellstart in den Frühling.