Der Artikel zur Suche nach Stolperstein-Putzpaten in der ersten Ausgabe von Ihr Stadtteil aktuell in diesem Jahr war ein großer Erfolg: Von den 150 Stolpersteinen im Stuttgarter Osten haben nun 70 ihre eigenen Putzpatinnen und -paten. Die Mitglieder der Initiative Stolpersteine Stuttgart-Ost staunten nicht schlecht, als sich immer mehr Menschen meldeten, die sich künftig einbringen in die Pflege der Erinnerungskultur der Stolpersteine im Stuttgarter Osten.

Die Einzelpersonen, Familien und Wohngemeinschaften konnten „ihre“ Stolpersteine aussuchen und erhielten biografische Hinweise zu den Personen und eine Putzanleitung. Ob auf dem Spazierweg oder als Erinnerungsgang an besonderen Gedenktagen – die Stolpersteine werden künftig etwa zwei Mal im Jahr gereinigt und poliert, so dass die Inschriften wieder gut lesbar sind und an die Menschen erinnern, die in der NS-Zeit aus dem Stuttgart Osten deportiert und ermordet wurden. „Ein solch hohes Engagement hätten wir nicht erwartet“, staunt ein Mitglied der Initiative und ergänzt: „Ich finde es ganz toll, dass Familien ihre Kinder so bewusst an die Erinnerungsarbeit heranführen.“ Die Mitglieder der Initiative berichten: „Eine Familie hat die Putzpatenschaft für alle Stolpersteine auf der Uhlandshöhe übernommen.“ Ein sehr rüstiger Rentner, der zunächst für die sechs Stolpersteine einer Familie am Stöckach die Putzpatenschaft übernommen hatte, bemerkte nach seiner ersten Putzrunde: „Ich kann gerne noch die anderen fünf Stolpersteine in der Straße übernehmen“. Und so putzt er nun die Stolpersteine im Gedenken an die Menschen an ihrem Geburtstag, wenn der bekannt ist, oder am Deportationstag. Ein wirkliches Vorbild an bürgerschaftlichem Engagement – ganz im Stillen und doch so wichtig, gerade in der heutigen Zeit.

Vier Mitglieder einer Wohngemeinschaft haben sich für die Stolperstein-Putzpatenschaft entschieden und gleich verkündet „Freunde möchten auch eine Putzpatenschaft über nehmen.“ Normalerweise bietet die Initiative neuen Stolperstein-Putzpaten eine Führung an. Da dies aktuell nicht möglich ist, gab es ein virtuelles Treffen per Internet. Was als Experiment für die sonst analog wirkende Initiative begann, erwies sich als schöner Erfolg, der sich fortsetzen lässt. Der rege Austausch der Stolperstein-Putzpatinnen und -paten mit den Mitgliedern der Initiative fand viel Anklang.

Sobald es möglich ist, wird die Initiative wieder Führungen und Exkursionen zu Archiven und in Gedenkstätten anbieten. Bis dahin werden in loser Folge Online- Treffen zu bestimmten Themen angeboten. Weitere Putzpaten sind willkommen. Informationen per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.