Eine Villa zu bauen kostet Geld, das war auch schon vor 200 Jahren so. Selbst wenn man Kronprinz ist, ist eine Finanzierung nicht einfach. Erst recht nicht, wenn der gestrenge Papa bestimmt, dass die Ersparnisse für das Anwesen herhalten müssen. So erging es Kronprinz Karl als er 1844 be schloss, ein Schlösschen im Stil italienischer Renaissance-Villen zu bauen. Die hatte er bei einer Bildungsreise nach Italien gesehen und wollte genau so etwas außerhalb der stickigen Stadt. Ein Glück für die Stuttgarter bis heute. Die Villa Berg ist ein Kleinod, das in einigen Jahren wieder den Glanz der damaligen Zeit haben wird, der die Herzöge umgab, wenn sie durch Haus und Park lustwandelten.

Den Geist der verflossenen Zeit ließ das Kabarettensemble Mustermann und die Motzlöffel in dem lebhaften Hörbild „Baumeister Leins soll leben!“ durch den Park wehen. Das gut einstündige literarische Programm bildete den Auftakt zur neuen Reihe „Kunst- und Kulturpark Villa Berg“. Unter blitzblauem Himmel saßen 30 Zuschauer bei hochsommerlichen Temperaturen in gebotenem Abstand mit oder ohne Drink auf Picknickdecken und Klappstühlen etwas unterhalb der Villa Berg im Schatten der alten Bäume. Sie genossen den flotten, imaginären Spaziergang durch die rund 170jährige Geschichte der königlichen Sommerresidenz, auf den Ulrich Gohl, Martin Ehmann und Ulrich Heinz das Publikum leichtfüßig mitnahmen. Musikalisch unterstützt wurden die Darsteller von den beiden Violinisten Meng Han und Anton Tkacz, Master-Studenten an der Musikhochschule, die zeitlich passende Kompositionen meisterhaft vortrugen.

Bei Recherchen zu MUSE-OAusstellungen über die Villa und den Park fand der Historiker Ulrich Gohl zahlreiche Texte, die er nicht verwendete und die er jetzt in einem historisch- unterhaltsamen Kaleidoskop bündelte. Gohl transportierte die Geschichte als Moderator weiter, während seine Kabarettkollegen Heinz und Ehmann in verschiedene Rollen schlüpften.

Der Privatsekretär und Reisebegleiter von Kronprinz Karl, Friedrich Wilhelm Hackländer, gab tiefen Einblick in die Entstehung der prächtigen Villa, die unbedingt höher liegen sollte als das königliche Schloss, damit der Kronprinz auf seinen Vater herunterschauen konnte. Architekt Christian Friedrich von Leins baute das Landschloss, das, nachdem die Heirat Karls mit der russischen Prinzessin Olga beschlossene Sache war, etwas prunkvoller ausfallen musste als geplant. Als vermögende Frau trug sie aber einen Teil zur Finanzierung bei. Ein Gärtner erzählte von der palastartigen Orangerie mit 6000 Kamelien. An vergessene Künstler, wie den begabten Paul Wirth, der als Marionette einen köstlichen Auftritt hatte, wurde erinnert. Nach der Fertigstellung 1853 gab sich der Welt-Adel die Klinke in die Hand. Der russische Zar Alexander II. und der französische Kaiser Napoleon II. trafen sich dort. Das Volk blieb allerdings außen vor. Der Journalist Karl Büchele erhielt Einblick und berichtete von französischen Kaminen, lebensfrohen Genrebildern und Kandelabern. 1864 wurde Karl König und schenkte Olga die Villa, die 1892 starb und das Anwesen ihrer Adoptivtochter Wera vermachte. Sie veränderte viel und lebte bis 1912 dort.

1913 kaufte die Stadt Stuttgart die Villa Berg, die ab da die städtische Gemäldesammlung beherbergte. Anlässlich des Empfangs zur Eröffnung der Weißenhofsiedlung begegneten sich Staatspräsident Wilhelm Bazille und der Dadaist Kurt Schwitters 1927 auf der Herrentoilette und tauschten ihre unterschiedlichen Vorstellungen von Architektur aus.

Populär war die Gaststätte mit Terrasse. Der SDR zog ein. In den nächsten Jahren werden Villa und Park umgestaltet. Bis 2025 soll das „Haus für Musik und Mehr“ für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Eine weitere Veranstaltung im Rahmen von „Kunst- und Kulturpark Berg“ war im August die „Kunsthalle Stuttgart- Ost“, die für einen Tag auf der Wiese westlich der Villa eingerichtet wurde. Vor zehn Jahren taten sich die Bildenden Künstler Wolfram Isele, Sieger Ragg (†) und Joachim Sauter, allesamt im Stuttgarter Osten beheimatet, zur Künstlergruppe „Kunsthalle Stuttgart-Ost“ zusammen. Sie bauten tatsächlich eine solche „Halle“, allerdings aus Holzlatten und Frischhaltefolie. Dieses transportable Gewächshaus ist ein unabhängiger Aktionsraum, dort zeigten Künstler ihre Arbeiten ohne die Bevormundung. Musik zum Hören und Genießen kam von dem Duo „Gez und Cassandra“.

Im September stehen zwei weitere Veranstaltungen im Rahmen von „Kunst- und Kulturpark Berg“ an. Informationen unter www.muse-o.de.