Nicht alles, was wie Leerstand aussieht, ist auch tatsächlich Leerstand: Die Ladenbesitzer in der Gablenberger Hauptstraße wissen das, die Städtische Wirtschaftsförderung hat es bei einer Bestandsaufnahme vor Ort ebenfalls festgestellt. Anfang September fand ein Treffen zu diesem Thema im Gemeindezentrum bei der Petruskirche statt.

Am Ende der Erhebung der Wirtschaftsförderung stand die Zahl 2: Zwei „echte“ Leerstände haben die Mitarbeiter festgestellt, in drei Fällen war keine Information zu bekommen. Zwei weitere vermeintliche Leerstände werden als Lager genutzt, fünf Geschäfte sind mit Genehmigung in Wohnraum umgewandelt worden. Dass letzteres nicht gerade den Sanierungszielen für eine lebendige Einkaufsstraße entspricht, räumte auch Martina de la Rosa vom Sachgebiet Finanzen und Sonderprogramme der Stadt ein – aber es ist passiert und lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Schön wäre, wenn diese „Wohnungen“ wenigstens halbwegs ansehnlich und gepflegt aussähen, monierten die Geschäftsleute: Tatsächlich sind manche in jämmerlichem Zustand mit schiefhängenden Rollläden und ähnlichem. „Das ist einer Einkaufsstraße nicht würdig“, befand ein Nachbar. Die Wirtschaftsförderung benannte die generellen Gründe, die Eigentümer an der Vermietung von Gewerbeflächen hindern: Sie möchten zunächst renovieren, sie haben schlechte Erfahrungen mit vorhergehenden Mietern gemacht, sie finden niemand Passenden oder Erbstreitigkeiten verzögern die Sache. Von ähnlichen Hintergründen könne man wohl auch in Gablenberg ausgehen – mit den meisten Eigentümern hatte die Wirtschaftsförderung aber noch nicht gesprochen.

All das war nicht neu für die versammelten Gewerbetreibenden. Und auch die möglichen Maßnahmen, die die Wirtschaftsförderung ausführlich in einer Tabelle aufbereitet hat, sind bekannt: Dazu gehören Zwischennutzungen des gesamten Geschäfts oder auch nur des Schaufensters, wie sie an verschiedenen Stellen bereits praktiziert wurden. Oder auch die längerfristige dekorative Gestaltung, sei es mit Kunst oder mit einem schönen alten Foto wie in der Gablenberger Hauptstraße 99. Diese Möglichkeit stehe weiterhin allen Interessierten offen, betonte Peter Metzler, der Vorsitzende des Handelsund Gewerbevereins Gablenberg, der die Aktion mit den alten Fotomotiven ins Leben gerufen hat. Sie wird aus dem Verfügungsbudget der Sozialen Stadt Gablenberg bezuschusst und sei somit mit keinen Kosten für die Inhaber verbunden. „Es wäre schön, wenn weitere Eigentümer auf uns zu kommen würden“, sagte Metzler.

Die Gewerbetreibenden nutzten das Treffen, um weitere Anliegen loszuwerden. Dazu gehört die Verkehrssituation: Tempo 30 in der Gablenberger Hauptstraße wird gewünscht. Auch Parkplätze, insbesondere im Zusammenhang mit den Busspuren in der Wagenburgstraße, wurden angesprochen. „Wie helfen Sie uns, damit wir unsere Anlieferung vollziehen können?“, war die ganz direkte Frage aus einem Handwerks betrieb. Angesprochen wurde auch der Malerbetrieb, der durch den geplanten Radweg in der Schwarenbergstraße die Möglichkeit, ein- und auszuladen, verliert – für ihn eine existenzbedrohende Situation.

„Wir nehmen das mit“, hieß es seitens der Wirtschaftsförderung immer wieder. Die Geschäftsleute hoffen nun, dass ihre Anliegen auch tatsächlich bearbeitet werden.