Neue Ausstellung über Figurentheater(spieler)

R22;Wer kennt das Guschtäfle von Heslach? R11; Sachdienliche Hinweise nimmt die MUSE-O-Leitung entgegenR20;. Mit diesem Aufruf sucht Ausstellungsmacher Ulrich Gohl nach Hinweisen auf den Puppenspieler Pizaroff, der 1937 unter anderem in Heslach auftrat. Denn wie immer soll die aktuelle Ausstellung von MUSE-O auch dazu beitragen, noch bestehende Wissenslücken zu schließen. Nichtsdestotrotz bietet R22;Tri-tra-trullala. Puppenspieler in Stuttgart, besonders im Stuttgarter OstenR20; eine Menge spannender Informationen rund um die besondere Theaterform, die in Stuttgart eine lange Tradition hat. Bei der Vernissage am 27. April war der Publikumszulauf so groß wie lange nicht mehr: Rund 120 Personen kamen zur fachlichen Einführung und zum Puppenspiel des Theaters Tredeschin.

Auch Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle sprach bei der Eröffnung ein Grußwort und würdigte die Arbeit von MUSE-O. Der Reichtum des Lebens im Stadtteil liege gerade in den identitätsstiftenden Dingen, die im Alltag nicht im Mittelpunkt stehen, meinte er: R22;Unser Zusammenhalt in einer Großstadt lebt von solcher Verknüpfungsarbeit, die Sie hier bieten.R20;

Ulrich Gohl erklärte, warum Stuttgart R22;mit Fug und RechtR20; behaupten darf, die Hauptstadt des Puppenspiels zu sein: Heute sind fünf feste Puppentheater und eine Vielzahl freier Spieler in der Stadt beheimatet, die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst bietet einen Studiengang Figurentheater an und das Figurentheater Fitz eine Plattform für verschiedenste Spieler und Ensembles dieser Theatersparte.

Die lebendige Stuttgarter Figurentheaterszene hat historische Wurzeln, gerade im Osten waren immer wieder Puppentheaterspieler zu Hause. Die Nationalsozialisten errichteten in Sillenbuch das R22;Reichsinstitut für PuppenspielR20;, das allerdings nur kurz in Stuttgart bestand, weil sein Bau durch den Kriegsbeginn verzögert wurde.

Besonders spannend ist der Blick der Ausstellung auf die Persönlichkeiten der unterschiedlichen Puppenspieler.
Ernst Wittich, der zur Volksgruppe der R22;JenischenR20; gehörte, war mit seiner Frau zusammen als Puppenspieler unterwegs und wohnte immer wieder im Stuttgarter Osten.

1925 eröffnete Georg Deininger mit seinem Marionettentheater die erste feste Puppen-Bühne in Stuttgart. Der Schnitzer kunstvoller Marionetten war überzeugter Nazi und Antisemit und versuchte als Vorsitzender im damaligen Verband der Puppenspieler auch die Kollegen gleichzuschalten. Das gelang ihm allerdings nicht, Deininger wurde sogar selbst politisch unliebsam, weil er bei Streitigkeiten zwischen unterschiedlichen Kulturströmungen der Nazis auf die falsche gesetzt hatte. Er starb 1946, seine Witwe führte das Puppentheater weiter.

Eigentlich hätte gern Ernst Gillmann nach dem Krieg die Puppen Deiningers übernommen, konnte sich aber mit ihm nicht einigen. Gillmann war von jeher der Sozialistischen Arbeiterjugend angeschlossen und mit ihr als Puppenspieler aufgetreten, in den letzten Jahren der Weimarer Republik auch oft in Stuttgart. 1933 und 1945 wohnte er im Stuttgarter Osten. Ab 1946 spielte er mit Figuren des Schnitzers Fritz Herbert Bross. Nach dem Tod Deiningers pachtete er doch einen Teil von dessen Bühne, musste ihn aber einige Jahre später aus finanziellen Gründen wieder abgeben.

Mit welcher Begeisterung früher Kinder die Puppenspiele verfolgt haben, belegen die historischen Fotos in der Ausstellung. Dass die Faszination Figurentheater noch heute besteht, war bei der Jim-Knopf-Aufführung von Michael Kunze vom Theater Tredeschin im Rahmen der Vernissage zu erleben. Kunzes Puppen sind bei weiteren Aufführungen zu sehen, ebenso wie im Rahmen der Ausstellung auch andere Puppentheater auftreten. Dafür wurde einer der beiden Ausstellungsräume als kleine Bühne mit Zuschauerplätzen eingerichtet.

R22;Die Puppen zum Leben zu erwecken, das ist schon was ganz BesonderesR20;, sagte Marianne Greb, die 35 Jahre lang bei Anni Weigands La Plapper Papp, ebenfalls im Osten gelegen, mitgespielt hat: R22;Das war eine ganz andere Welt, da konnte man abschaltenR20;. Die Ausstellung weckte viele Erinnerungen an diese Zeit bei der Hedelfingerin R12; an Theaterfestivals und auswärtige Auftritte, aber auch an die ganz normalen Vorstellungen, bei denen die Spieler immer viel Spaß hinter der Bühne hatten.

Tri-tra-trullala. Puppenspieler in Stuttgart,
besonders im Stuttgarter Osten. Eine MUSE-O-Ausstellung von Ulrich Gohl
MUSE-O, Gablenberger Hauptstraße 130, 70186 Stuttgart, bis 25. August 2013
geöffnet Sa, So 14 bis 18 Uhr (mit weiterführenden Informationen)
Eintritt: 2 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei

MUSE-O wird institutionell gefördert vom Kulturamt der Stadt Stuttgart.
Weitere Informationen: www.muse-o.de