Neben Jesus, Maria und Joseph gehören vor allem Ochs und Esel zu einer Weihnachtskrippe. Das weiß so ziemlich jedes Kind - historisch gesehen ist es aber nicht richtig. „In der Bibel ist von Ochs und Esel überhaupt nicht die Rede, die tauchen erst im 4. Jahrhundert auf“, sagt MUSE-O-Kurator Ulrich Gohl. Die neue Ausstellung im MUSE-O informiert über solche Fakten, vor allem aber zeigt sie ein buntes Spektrum verschiedener Krippenformen, von der Miniatur in einer Walnuss bis hin zur neapolitanischen Figur.

81 Krippendarstellungen hat Gohl zusammengestellt und dabei wie immer viel Unterstützung aus dem Stuttgarter Osten erfahren. So wurden Objekte von Sammlerinnen und Sammlern beigesteuert, aber auch von Menschen, die vielleicht nur diese eine Weihnachtskrippe besitzen. Sie unterscheiden sich nicht nur in Größe, Material und Herkunft, sondern vor allem in ihrem Stil. Es sind auch Stücke unter den Exponaten, die sich bestimmt nicht jeder unter den Weihnachtsbaum stellen möchte: eine Krippe, in der die komplette Heilige Familie durch Eisbären ersetzt ist zum Beispiel. Ein Grundsatz von MUSE-O sei, „nicht nur die schönen, wertvollen Dinge, sondern auch die etwas abseitigen und schrägen“ zu zeigen, sagte Ulrich Gohl bei der gut besuchten Eröffnung. Es gibt also manche Kuriosität zu entdecken beim Rundgang durch die beiden Museumsräume. Dabei kann man die Ausstellungsstücke zunächst einmal unvoreingenommen auf sich wirken lassen: Sie sind auf drei Ebenen ohne erklärende Texte aufgebaut – letztere gibt es separat dazu in einem kleinen Textheft.

Die ersten Krippendarstellungen, abgeleitet von der biblischen Beschreibung von Jesu Geburt, waren gemalt und sind aus dem 4. Jahrhundert bekannt. Erste dreidimensionale Darstellungen in Holz und in Marmor entstanden um 1300. Franz von Assisi ließ 1223 in Greccio eine Weihnachtskrippe aufbauen, in der echte Tiere standen – ähnlich wie die heutigen lebenden Krippen bei Weihnachtsmärkten.

Die Reformation tat sich schwer mit bildlichen Darstellungen, aber, so Gohl, „über die Jesuiten und die Gegenreformation kommen die Krippen wieder ins Spiel“. In Neapel erlebten Weihnachtskrippen im 18. Jahrhundert eine große Blüte. Sie bestanden aus kunstvollen, bis zu 40 Zentimeter hohen Figuren, die Szenen aus dem Leben des Volkes – über die Weihnachtsgeschichte hinausgehend - darstellten. Ähnlich ist das bei den kleineren provençalischen Krippen, von denen Sammler Gerhard Raff – eigentlich kennt man ihn vor allem als Schriftsteller, Historiker und Schwabenkenner – MUSE-O eine zur Verfügung gestellt hat.

Jede Krippe für sich ist besonders. Da gibt es eine, die sich in ein Kästchen packen ließ und speziell für den Versand als Feldpostbrief im Ersten Weltkrieg gedacht war. Eine andere ist in der Art einer Matrjoschka, einer russischen Puppe, als Engel, Heiliges Paar und Christkind gefertigt. Getöpferte, gesägte, geschnitzte Figuren haben ihren Platz neben Papier- und Streichholzkrippen oder einer Plastikversion von Playmobil. Exemplare aus Südamerika, Israel oder China sind dabei – bis hin zu den Ausstecherleseformen für die Heilige Familie oder einer Handy-Hülle mit Krippenmotiv aus Asien.

„Wunderbar, was es da alles gibt. Das sind richtige Kleinode“, sagte eine Besucherin bei der Eröffnung. Annegret Braun genoss den Blick auf ihre eigene Krippe, die sie zur Verfügung gestellt hat: eine aus Olivenholz geschnitzte, die ihre Schwester Anfang 1971 von einer Reise nach Bethlehem mitbrachte – und die seither immer zu Weihnachten gehörte. „Ich vermisse sie jetzt schon“, sagte die Leihgeberin.

„Zur Krippe her kommet...“. Weihnachtskrippen von überall her und ihre Geschichten. Eine MUSE-O-Ausstellung

MUSE-O, Gablenberger Hauptstraße 130, 70186 Stuttgart

Bis Sonntag, 5. Februar 2017. Geöffnet Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr (mit weiterführenden Informationen).

Eintritt 2 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei