Drehorgeltreffen bereitet viel Freude

Drehorgeln klingen nicht nur erstaunlich laut und harmonisch. Sie machen auch gute Laune, das hat sich beim Gablenberger Drehorgel treffen vielfach gezeigt: bei den Spielerinnen und Spielern, die beschwingt an ihrer Kurbel drehten und teilweise sogar sangen, ebenso wie beim Publikum. „Das ist so schön“, sagte eine Gablenbergerin auf dem Schmalzmarkt ganz gerührt. Dort wippte und klatschte das Publikum zu den Stücken des Mecklenburger Drehorgelorchesters, von dem insgesamt acht Männer und Frauen angereist waren. Sie spielten mehrstimmig, auch etliche moderne Stücke – darunter TNT von ACDC, ganz ungewohnt im Orgelsound. Die Instrumente waren über Funk miteinander gekoppelt, denn achtfacher Gleich klang wäre sonst kaum zu bekommen. Ausruhen konnten sich die Orchestermitglieder trotzdem nicht, weil das für die Luftzufuhr über einen Blasebalg Kurbeln zwingend notwendig ist. Bei größeren Instrumenten muss sogar deutlich schneller ge kurbelt werden.

Einige Paare entlang der Gablenberger Hauptstraße bekamen den Gleichklang auch von Hand mit dem Lochband hin, so Harald und Linde Kink aus Bad Waldsee. Wobei sie aufgrund einer anderen Übersetzung schneller drehen musste als er: „Das muss man üben!“ Michael und Edith Scheck sangen schaurige Mori taten zur Musik, ebenso wie Frithjof und Rosi Grögler, die das zuvor mit ihren Bildtafeln acht Tage lang auf dem Volksfest getan hatten.

Hildgard und Kurt Fischer aus Bad Wimpfen hatten eine sehr große und eine sehr kleine Orgel dabei, sie eine Pan flöten orgel mit deutlich zarterem Klang, er ein großes Instrument mit sieben Registern. Gebaut hat beide – wie auch die Orgel von Wolfgang Euchner ein Stück weiter – Kurt Fischer selbst. Er hat in jungen Jahren die Ausbildung zum klassischen Orgelbauer absolviert und später auf Drehorgeln umgesattelt.

Mit Rafael und Friedlinde Engerer, die ebenfalls im Duo spielten, waren die Inhaber der Firma Raffin vertreten. Sie produziert Drehorgeln für den Weltmarkt und macht darüber hinaus Arrangements von Liedern für die Instrumente. Friedlinde setzt diese am Computer, dann werden sie ins Lochband gestanzt. Alles in allem „ein absoluter Traumjob“, wie die Unternehmenschefin findet. Liesbeth Laming, die ihren Leierkasten gern mit in den Kindergarten nimmt, wo sie arbeitet, hat Lochbänder speziell mit Kinder liedern anfertigen lassen.

Auch Veronica Beck aus Stuttgart Ost hat zu ihrer Zeit als Kinderhortleiterin oft ihre Drehorgel im Einsatz gehabt. Gerd Duda träumte sein Leben lang von so einem Instrument, bis er es sich zum 60. Geburtstag endlich geleistet hat. Otto Huissel wurde dagegen recht unverhofft Drehorgel besitzer – das Instrument gehörte zu einem Oldtimer-Fahrzeug, das er sich gekauft hat. In Gablenberg hatte er an der Seite von Hubert Welte seinen allerersten Auftritt. Auch Rudi Clausnitzer und Uwe Gernert, die schon bei der Aus stellungs eröffnung im MUSE-O dabei waren, drehten die Kurbel. Bei Christian Burkhardt bewegte sie eine Scheibe – sein Ariston war eine besondere Attraktion unter den Instrumenten.

Nicht zu vergessen Gerhard Lewert, der sich selbst zum 60. Geburtstag eine Freude, vor allem aber viel Arbeit gemacht hat: Er hat das Treffen komplett organisiert und führte die Zuschauer von einer Station zur nächsten, bis hin zur großen Jahrmarktorgel, die oben im Buswartehäuschen bei MUSE-O geparkt war. Beim Finale auf dem Schmalzmarkt waren Publikums andrang und Begeisterung groß.

Kirchenkonzert mit Spendenrekord

Wobei Finale nicht ganz das richtige Wort ist, denn der eigentliche Höhepunkt folgte noch: ein Konzert in der Petruskirche mit Orgel und Drehorgel, die „ziemlich perfekt im Zusammenspiel“ erklangen, wie Pfarrerin Kathari na Roos berichtet. Die Stimmung sei sowohl ergriffen als auch locker-beschwingt gewesen, erzählt sie, viele Leute hätten mitgesummt, gesungen oder geschunkelt – und das bei einer Kirche „voll wie an Weihnachten“. Die Spanne der Musikstücke reichte von „Großer Gott wir loben dich“ bis hin zum Mary-Poppins-Song, das Publikum war bunt gemischt, sowohl Ältere dabei als auch Familien mit Kindern, die von den Instrumenten in Bann gezogen wurde. Ein wunderschönes und gelungenes Konzert. Der Eintritt war frei, die Spenden erreichten aber eine Rekordhöhe unter allen bisherigen Konzerten. Rund 1 500 Euro habe man eingenommen, so Roos – Geld, das die Gemeinde gut gebrauchen kann, denn der Umbau der Gemeinderäume hat ja auch Einiges gekostet. „Damit kommen wir ein gutes Stück weiter“, freut sich die Pfarrerin.