Ausstellung Werbemännchen und -frauchen bis 3. März

Ob Raucher oder Nichtraucher – „Best Agers“ kennen die Bezeichnung „in die Luft gehen wie ein HB-Männchen“. Sie stammt von einer der berühmtesten Werbefiguren in der Geschichte des deutschen Werbefernsehens. Gemeint ist „Bruno“, so der offizielle Name des cholerischen Strichmännchens, das zwischen 1957 und 1984 für die Zigarettenmarke HB regelmäßig explodierte, aber dank Glimm stängel jede Herausforderung im Leben spielend meisterte. Das HB-Männchen ist eine der insgesamt 100 Figuren mit Charakter, die in einer sorgfältig zusammengestellten Ausstellung im MUSE-O bis 3. März die Herzen von erwachsenen Nostalgikern ebenso höher schlagen lassen wie die von begeisterten Kindern.

Der Historiker und Kurator Ulrich Gohl hat den Marlboro- Mann und Käsebotschafterin Frau Antje aus Holland, das bereifte Michelin-Männchen und den Tchibo-Kaffee-Exper ten, den dicken Brummi und den sportlichen Trimmi im Alten Schulhaus Gablenberg nicht nur in Vitrinen gestellt. Häuserfassa den bilden den Rahmen für die augenfällige Präsentation, die damit sig nalisiert: Die sympathischen Werbeträger, von Verbrau chern in Herz und Hirn geschlossen, sind in jedem Haus. Die meisten Werbefiguren stammen aus der Sammlung Gohls, zu denen er viele Geschichten, Anekdoten und kulturhistorische Hintergrundinformationen zusammengetragen hat. Der berühmte Sarotti-Mohr wurde politisch korrekt zum goldfarbenen Sarotti-Magier, der Tchibo- Darsteller Wensley Pithey ist im wirklichen Leben Tee trinker gewesen.

Die lachende Kaffeekanne, das Werbelogo von Kaiser’s Kaffeegeschäft, wurde von dem berühmten Architekten Peter Behrens entworfen, der das Terrassenhaus in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung gestaltet hat, und kein geringerer als der Grafiker Tomi Ungerer zeichnete die Werbefiguren für das Dosengemüse von Bonduelle. Den Jingle, zu dem Frau Antje von 1961 bis 1998 den Deutschen Käse aus Holland schmackhaft machte, komponierte Klaus Doldinger. Wer hätte es gedacht: 1933 tat sich Elly Heuss-Knapp als Reklamefachfrau nicht nur für die Persil-Werke hervor.

Die Bandbreite reicht vom lebensgroßen Aufsteller, wie dem Tchibo-Experten, bis zu winzig kleinen Schlüsselanhängern. Die Mainzel männchen sind eine Leihgabe des ZDF, sie reisten sogar aus Mainz an. Auf fünf Tablets lassen sich per Touchscreen 15 verschiedene Werbefilmchen anschauen.

„Reklame-Ikonen bewegen uns alle“, sagte Kulturbür germeister Dr. Fabian Mayer im Rahmen der Eröffnung. Meister Propper und Käpt’n Iglo setzen sich für Jahrzehnte in den Köpfen fest. Ein Gang durch die Ausstellung wecke viele fröhliche Erinnerungsmo mente, so Mayer. Gohl selbst, der seit 30 Jahren Markenfiguren sammelt, bezeichnet die Werbeträger als „Teil unserer Alltagskultur“. Firmen kreieren Sympathieträger, weil sie ihre Waren positiv besetzen wollen.

Bruno, Antje und der Weiße Riese. Werbemännchen und -frauchen. Bis 3. März, geöffnet Sa, So 14 bis 18 Uhr. Eintritt: 2 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei. MUSE-O, Gablenberger Hauptstraße 130, 70186 Stuttgart