Wanderausstellung des Paderborner Kreises im MUSE-O

Im MUSE-O dreht sich derzeit alles ums runde Leder. Die Wanderausstellung des Paderborner Kreises mit dem Titel: „Der andere Fußball. 100 Jahre Arbeiterfußball – 125 Jahre Arbeitersport“ macht bis 18. August Station in den Räumen des Alten Gablenberger Schulhauses.

Auf zahlreichen Roll-ups wird die fast vergessene, aber spannende und vor allem politische Sportgeschichte des Arbeiterfußballs aufgerollt. In Vitrinen erzählen Presseberichte und Exponate vom damaligen Sport geist, etwa ein Lederfußball und Fußballschuhe aus den 30er-Jahren, die beim Fußballclub Wien-Floridsdorf benutzt wurden. Aber auch die Trophäe, die Otto Fricke aus Feuerbach auf der Arbeiterolympiade 1931 in Wien für den Sieg im Fußball-Dreikampf überreicht wurde ist ein interessantes Zeugnis. Der deutsche Arbeiterfußball richtete eigene Meisterschaften aus und setzte auf Fairness auf dem Spielfeld. „Kein Sieg um jeden Preis“ heißt es auf der Tafel mit den Fußballspielregeln von 1929.

Die Ausstellung hatte im vergangenen Jahr im Deutschen Fußballmuseum Premiere und ist in Stuttgart ausschließlich im MUSE-O zu sehen. Die anschauliche Präsentation verdeutlicht die kurze, aber hochinteressante Zeit von Beginn des Arbeiterfußballs 1918 bis zur Zerschlagung durch die Nazis 1933. Damit stellt sie auch ein wichtiges Stück Erinnerungskultur dar. Ergänzt wird die Wanderausstellung durch Exponate aus den Sammlungen der MUSE-O Kuratoren, aber auch aus Stuttgarter Privatbesitz. Plaketten einzelner hiesiger Arbeitersportvereine und Anstecker zu besonderen Veranstaltungen in der Gegend sind ausgestellt. Besonders beeindruckend ist die gut erhaltene Fahne der Sportvereinigung Stuttgart Ost 1886 e.V. mit der Aufschrift „Wer seinen Körper stählt, pflegt seine Seele“. Bei der Eröffnung sprach der Sporthistoriker und maßgebliche Begleiter der Ausstellung, Dr. Reiner Fricke, über die regionale Entwicklung und Umstände von „Arbeitersport und Arbeiterfußball in Stuttgart“. In ganz Deutsch land gab es ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert neben den „bürgerlichen“ und „proletarischen“ Turnvereinen auch Arbeitersportvereine. Das freie Spiel mit dem Ball wurde bei Arbeitersportlern immer beliebter und schließlich zur ernsthaften Konkurrenz für das „starre“ Turnen. 1919 wurde aus dem Arbeiterturnerbund (ATB) der Arbeiter- Turn- und Sportbund (ATSB). Der Fußball spielte eine immer größere Rolle. Der Turn und Sportverein Stuttgart-Ost wur de 1927 württembergischer Meister und gewann vier Kreismeisterschaften. Sechs Spieler aus der Stuttgarter Gegend hatten sogar Einsätze in der deutschen Auswahl. „Das Württembergische Arbeiter-Fußballtreffen am 21./22. Mai 1932 in Stuttgart-Degerloch war als Massenbekenntnis für die Arbeitersportbewegung geplant. An den zweit Tagen wurde von 130 aktiven Fußballmannschaften und 500 Einzelkämpfern durch das Sprechchorwerk ‚Unser Kampf‘ das Verhältnis des Arbeitersports zum Sozialismus verdeutlicht“, so Reiner Fricke. Gleichberechtigung und Solidarität waren ausschlaggebende Werte der Arbeitervereine.

Öffnungszeiten: Bis 18. August. Samstag/Sonntag 14 bis 18 Uhr (mit weiterführenden Informationen).

Eintritt 2 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei.

Informationen unter: www.muse-o.de. MUSE-O wird institutionell gefördert vom Kulturamt der Landeshauptstadt Stuttgart.