Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Villa Berg saniert ist und den Betrieb als „Haus für Musik und mehr“ aufnimmt. Aber wichtige Weichen werden jetzt gestellt. Und ein Kunst- und Kulturprojekt im Freien, rund um die Villa, soll möglichst noch dieses und auch nächstes Jahre schon mal einen Vorgeschmack auf später geben.

Der Gemeinderat hat im Doppelhaushalt 2020/21 immerhin 50 000 Euro bereitgestellt, mit denen das Kunst- und Kulturprojekt im Park der Villa Berg finanziert werden soll.

Konzept und Organisation möchte die Stadt in die Hände von Kulturschaffenden geben, die sich beim Kulturamt um diese Aufgabe bewerben können. Das hat MUSE-O, der gemeinnützige Museumsverein Stuttgart-Ost, bereits getan. Denn er könnte dabei seine Veranstaltungserfahrung, vor allem aber die zahlreichen Kontakte zu Künstlerinnen und Künstlern im Stuttgarter Osten nutzen. Dass gerade sie zum Zuge kommen sollen, ist für Ulrich Gohl, den stellvertretenden Vorsitzenden von MUSE-O und Kurator der Ausstellungen im Alten Schulhaus, wichtig: „Da gibt es einige, die derzeit dringend auf ein paar Hundert Euro Gage angewiesen sind“.

Gohl selbst hat mit seiner Kabarettgruppe Mustermann und die Motzlöffel schon eine ganz ähnliche Veranstaltungsreihe gemacht – im Freien, auf den jeweiligen Ort abgestimmt, mit kleinem Publikum. So könnte er sich das auch im Park der Villa Berg vorstellen. „Vorgeschlagen wer den kleine, feine Freiluft- Veranstaltungen von vielleicht einer Stunde Dauer, die in der Regel ohne Technik laufen“, steht im Konzept, mit dem sich MUSE-O beworben hat. So würde es auch keine Bewirtung, weder Speisen noch Getränke, geben; es sei aber denkbar, dass sich die Zuhörer von zu Hause etwas für den Eigenverbrauch mitbringen.

Mit einem personell verstärkten Team hofft MUSE-O, möglichst zügig mit dem Programm beginnen zu können. Schließlich werden Kulturveranstaltungen in geschlossenen Räumen auf absehbare Zeit noch schwierig sein, und es ist umso wichtiger, eine Alternative anzubieten. Denkbar wären gemäß dem Konzept zum Beispiel Konzerte kleiner Ensembles aller Stilrichtungen, Lesungen, Theater- und Kleinkunst- Aufführungen, thematische Führungen im Park mit kulturellen Schwerpunkten, „fliegende“ kleine Kunstausstellungen, Pop-Up-Galerien und mehr. „Da die gesundheitlichen Risiken im Freien geringer sind als in geschlossenen Räumen, ist auf einen Beginn bereits im Juli/August 2020 zu hoffen“, schreiben die Verfasser.

Ob MUSE-O bei dieser Aufgabe zum Zug kommt, muss nun das Kulturamt entscheiden. Es sammle derzeit die eingehenden Bewerbungen, berichtete sein Leiter Marc Gegenfurtner im Bezirksbeirat.

Villa bleibt bei der Stadt

In einer anderen Frage konnte der Kulturamtsleiter bereits Konkretes melden: Die Villa Berg als „Haus für Musik und mehr“ soll in der Trägerschaft der Stadt Stuttgart bleiben. Man denke dabei an eine Abteilung des Kulturamtes, womit auch städtische Strukturen genutzt werden könnten. Dafür hoffe man, zunächst „zwei Stellen zu bekommen – eine Projektleitung und eine Assistenz“, so Gegenfurtner. Ein wichtiger Aspekt bleibe die Mitbestimmung der Bürger, die sich dieses Haus, so der Kulturamtsleiter, mit aufrichtigem und konstruktivem bürgerschaftlichem Engagement erkämpft hätten. Denkbar sei beispielsweise ein Kuratorium oder ein Beirat, in dem engagierte Ehrenamtliche vertreten sind. Diese Überlegungen wurden vom Bezirksbeirat positiv aufgenommen. Erwogen worden war auch, die Trägerschaft an eine bestehende Kultureinrichtung anzudocken. Doch das hätte nach Einschätzung des Kulturamtes möglicherweise die Mitbestimmung und den Aufbau einer eigenen Identität erschwert. Und die dritte Option, eine gemeinnützige Gesellschaft, hätte sehr aufwendige Strukturen und Vorbereitungen erfordert.

Im nächsten Schritt sollen nun die ehemaligen Fernsehstudios im Park abgebrochen werden, den Planungen zufolge ab dem Herbst. Die Vergabe dieser Arbeiten sei in Vorbereitung, so der Kulturamtsleiter. Nach dem Abbruch werde das Gelände verfüllt, ein Büro beschäftige sich derzeit mit der Gestaltung und werde in den kommenden Monaten Ideen vorlegen. Dabei geht es um Wegeverbindungen, Veranstaltungsflächen und mehr, wobei der Denkmal schutz zu beachten ist. Er gilt für die gesamte Parkanlage.