Ob Traktor, Roller, Auto oder Moped: An der Tankstelle kommt keiner vorbei. Auch MUSE-O nicht: Deshalb widmen die Aktiven vom Museumsverein und Kurator Ulrich Gohl die neueste Ausstellung unter dem Titel: „Super, voll!“ den lokalen Aspekten dieses Themas. Sie hat noch bis 22. November geöffnet.

„Sie gehen tanken an der Zapfsäule, dann können Sie Öl nachfüllen und sich noch im Shop was holen“: Den klassischen Tankstellenbesuch, den Kurator Ulrich Gohl so beschreibt, kann man derzeit im MUSE-O durchlaufen. Gleich nach dem Eingang begrüßt eine rot-weiße Avia- Zapfsäule die Besucher: 29,8 Pfennig kostet der Liter Benzin dort. Gegenüber steht im Vavoline-Schrank das passende Öl bereit und ein Stückchen weiter kann man sich in der Essolub-Zinkkanne oder – etwas moderner – an der Säule mit Schauglas Öl und Benzin für den Zweitakter mischen. In dieser Ausstellung dürften bei manchem Besucher Erinnerungen ans erste Moped oder erste Auto wach werden, und an die Zeiten, als noch der Tankwart die Kunden bediente. Er steht im Ausstellungsraum in seiner Uniform ebenfalls bereit. Ab den 70er-Jahren wurde er zunehmend von SB-Tankstellen abgelöst.

Eine offizielle Vernissage konnte MUSE-O dieses Mal nicht anbieten, dafür sind die Ausstellungsräume bei Corona-Vorschriften zu eng. Besucher sind aber zu den Öffnungszeiten immer willkommen alle Hygiene-Vorgaben werden eingehalten. Die jeweilige Aufsichtsperson steht für Fragen zur Verfügung; außerdem kann man für kleine Gruppen bis zu sechs Personen Führungen vereinbaren.

Aber auch an den Infotafeln wird man umfassend zu verschiedensten Aspekten des Tankens und der Tankstellen im Stuttgarter Osten informiert. Während Berta Benz ihr Leichtbenzin noch in der Apotheke holte, gab es den Treibstoff später zunächst in Drogerien, Fahrradwerkstätten und manchmal auch in Gasthäusern. Ab 1922 entstanden die ersten Zapfsäulen am Straßenrand, die sich im Lauf der Zeit zu Tankstellen mit Dachauswuchsen. In der Nazi-Zeit konzentrierten sich die „Tanken“ auf die Reichsautobahnen; nach dem Krieg, ab den 50er-Jahren, rückten sie in den Blick der Architekten, die sich mit geschwungenen Linien und besonderen Dachformen kreativ auslebten.

Die Tafeln erzählen auch von Umweltschutz und den Gefahren der Tankstellen, und davon, dass heute mehr als die Hälfte des Ertrags quasi neben bei, im Shop, erwirtschaftet wird. Der ist natürlich im MUSE-O ebenfalls vertreten, zumindest symbolisch mit Schokoriegeln und Erdnüssen. Breiten Raum nehmen die ehemaligen und teilweise noch bestehenden Tankstellen im Osten ein. Zum Beispiel „Stöckach-Tank“ – heute SBTank – oder die Schwabengarage, die mit der wahrscheinlich ältesten Tankstelle in ganz Stuttgart. Ihre Entwicklung ist mit mehreren Fotos dokumentiert. Auch in der Klingenstraße oder Talstraße finden sich Zapfstellen mit einer langen Geschichte. Mancher Tankstellenbetreiber wurde zur Legende, wie Emil Winkle in der Klingenstraße und Manfred Müller in der Neue Straße. Eine Tafel zeichnet bestehende und vergangene Standorte nach, eine andere widmet sich den Projekten, die nicht umgesetzt wurden, zum Beispiel auf der Geroksruhe oder in Gablenberg. Ebenso geht es um neuere Entwicklungen wie die Gas- und die E-Tankstelle oder um die Frage, wie die Gebäude oder Grundstücke von Tankstellen nach deren Ende genutzt werden.

An zwei Displays kann man Fernsehbeiträge sehen, in denen örtliche Tankstellen betreiber zu Wort kamen. Auch Tankstellenmodelle aus der Sammlung von Jörg Trüdinger sind aufgebaut, und in den Vitrinen versammeln sich die zahlreichen Werbefiguren rund um Sprit und Öl: vom Esso- Tiger über den Continentalreifen-Mann bis zum Minol-Pirol. Ein größeres Exponat kam allerdings abhanden, bevor es sich auf den Weg ins MUSE-O machen konnte: Die Zapfsäule aus den 80er-Jahren war zwar für die Ausstellung versprochen, wurde dann aber doch versehentlich ausgeräumt und verschrottet.

Super, voll! Ein Jahrhundert Tankstellen im Stuttgarter Osten. Eine MUSE-O-Ausstellung. bis 22. November. Geöffnet Sa, So 14-18 Uhr. Eintritt: 2 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei. MUSE-O, Gablenberger Hauptstraße 130, 70186 Stuttgart. Aktuelle Informationen stets unter: www.muse-o.de.