Für Ausstellungen im MUSE-O gibt es normalerweise keine Eintrittskarte. Aber dieses Mal ist das der Fall, klein und fein: Passend zur aktuellen Schau „Stuttgart gezähnt“ bekommen die Besucherinnen und Besucher am Eingang eine Stuttgart-Briefmarke ausgehändigt.

Wer glaubt, dass die neue Schau, die am vergangenen Samstag eröffnet wurde, in erster Linie Briefmarkensammler anspricht, irrt sich gründlich. Die Postwertzeichen sind in diesem Fall ein Medium, um Stadtgeschichte oder die Biografien von Menschen zu erzählen. Von König Wilhelm bis zu Kurt Schumacher, von Oskar Schlemmer bis zum Automobil: Sie alle haben irgendeinen Stuttgart- Bezug. Kurator Ulrich Gohl hat bei der Vorbereitung einige Entdeckungen gemacht. „Der meistabgebildete Stuttgarter auf Briefmarken ist Hegel“, stellte er fest: Der Philosoph fand sowohl in der DDR als auch in der BRD seinen Weg aufs Postwertzeichen, bei ihm konnten offenbar beide Systeme „andocken“ – ähnlich wie bei Friedrich Schiller, der ebenfalls unter den illustren Gestalten in der Ausstellung zu finden ist.

Dichter, Künstler, Konstrukteure, Politiker sind dabei, manche berühmt, andere vergessen. Beispielsweise Edwin Hoernle, gebürtiger Cannstatter und Gründungsmitglied der KPD. Er ging 1945 in die sowjetische Besatzungszone, hatte später verschiedene Führungspositionen in der DDR und blieb im Westen gänzlich unbekannt. Gohl fand interessante Details und überraschende Zusammenhänge. Weniger Überraschendes war aber auch dabei: Die Schautafel, die sich Stuttgarter Produkten auf Briefmarken widmet, zeigt vor allem solche mit vier Rädern. Der MUSE-O-Kurator hat versucht, von möglichst vielen Briefmarken herauszufinden, wer sie entworfen hat. So tauchen auch einige Nicht-Stuttgarter mit spannendem Hintergrund auf. Schon erstaunlich, welche Geschichten die kleinen, gezähnten Papierstücke erzählen können. „Kaum, dass man richtig hinschaut, entdeckt man Interessantes“, sagt Gohl, der anfangs kein großer Fan des Briefmarken-Themas war.

Maßgeblich mitgewirkt an dieser Ausstellung hat der Württembergische Philatelistenverein (WPhV), der ja im MUSE-O seine Sammlertreffen abhält. Seine Mitglieder haben den zweiten Ausstellungsraum gestaltet, in dem das Sammeln an sich im Mittelpunkt steht. So findet man einen „Wühltisch“ mit Briefmarken, Alben und Pinzetten, „wo man sich auch was mitnehmen darf“ – nicht gerade ein Kilo Briefmarken, aber einzelne Stücke.