„Stuttgart gezähnt“ ist eröffnet: In der aktuellen MUSE-O Ausstellung geht’s unter anderem um mehr oder weniger berühmte Stuttgarter, um Gebäude und Produkte der Landeshauptstadt – allesamt auf Briefmarken abgebildet

Für diese Schau ist MUSE-O mit dem Württembergischen Philatelistenverein (WPhV), der regelmäßig in den Vereinsräumen im MUSE-O zusammenkommt, eine fruchtbare Kooperation eingegangen. So nahmen an der Vernissage am letzten August-Samstag eine ganze Reihe von Vereinsmitgliedern und Sammlern teil. „Jeder Mensch kann mit wenig Mitteln, nur mit Interesse, eine tolle Sammlung aufbauen“, sagte der Vorsitzende des WPhV Stuttgart, Johannes Feifel. Mit der Ausstellung wolle man vor Augen führen, dass Briefmarkensammeln keineswegs ein langweiliges Hobby sei.

Der WPhV hat einen der beiden Ausstellungsräume selbst gestaltet, mit Briefmarken oder auch -umschlägen und -karten als Exponaten. Aktuelle Marken der BW-Post mit Brezelmotiv oder Stuttgarter Gebäuden sind dabei ebenso zu sehen wie geschichtlich Interessantes. So greift eine Schautafel das Thema „Protest“ auf: Noch in den 1980er- Jahren schickte das damalige Staatsunternehmen Post Sendungen an den Absender zurück, wenn sie auf der Anschriftseite politische Botschaften enthielten. Dazu zählten auch Anti-Atomkraft-Aufkleber oder Friedenszeichen. Begründet wurde das mit §13 der Postordnung von 1963. Mittlerweile sind solche Bekenntnisse, beispielsweise gegen Stuttgart 21, kein Transporthindernis mehr, wie Feifel selbst erprobt hat. Zu sehen sind auch Äffle und Pferdle auf Briefmarken oder einige Cartoons von Loriot. Während in diesem Raum, „Kabinett der Originale“ genannt, echte Briefmarken ausgestellt sind, zeigt der zweite Raum diese lediglich als vergrößerte Kopien. Das gibt ihnen eine besondere Wirkung, man nimmt wahr, wie liebevoll und gelungen die kleinen, oft achtlos aufgeklebten Papierstücke, gestaltet sind. So geht es hier auch um die Grafiker, die hinter den Postwertzeichen stecken oder um den Entwicklungs- und Auswahlprozess dafür. Erläuternde Texte gehen auf die abgebildeten Personen und Motive ein. Welche Stuttgarter Bauwerke wurden für wert befunden, auf einer Briefmarke zu landen? In der Serie „Landeshauptstädte“ der Deutschen Bundespost 1964 war Stuttgart als einzige Stadt nicht mit einem Gebäude, sondern mit einer Gesamtansicht mit vielen Türmen zu sehen. Später haben es in unterschiedlichen Serien auch der Fernsehturm, die Neue Staatsgalerie und der Landtag auf eine Briefmarke geschafft. Bei den Produkten aus Stuttgart sind es Autos, eine Stadtbahn oder der Design-Klassiker Wagenfeld- Lampe. „Ich finde es schade, dass niemand auf die Idee kam, einen Leitz-Ordner oder eine Eszet-Schnitte auf eine Briefmarke zu machen“, bedauerte Ulrich Gohl.

Ein Original der Landeshauptstadt-Marke mit den Stuttgarter Türmen bekamen die Besucher bei der Vernissage als Eintrittskarte ausgehändigt. Noch viel mehr der kleinen, gezähnten Papierstücke, fanden und finden sie auf einem Wühltisch im Raum. Ein Auktionshaus hat dem MUSE-O Marken gespendet, die für die Versteigerung nicht interessant sind – eine Fundgrube mit allerlei internationalen Kuriositäten.

Ausstellung „Stuttgart gezähnt“, bis 31. Oktober, geöffnet Samstag/Sonntag 14 –18 Uhr. Eintritt: zwei Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei.

Informationen unter www.muse-o.de MUSE-O, Gablenberger Hauptstraße 130, 70186 Stuttgart.