„Mein Ding“ – neue Ausstellung im MUSE-O

Das ist ein Ding: Die neue Ausstellung im MUSE-O widmet sich den ganz persönlichen Objekten, die Bewohner und Bewohnerinnen des Stuttgarter Ostens mit ihrem Stadtteil verbinden. 50 Exponate hat der Historiker und Kurator Ulrich Gohl von den Besitzern für die Dauer der Präsentation mit dem Titel „Mein Ding“ geliehen bekommen. Das Kaleidoskop von Alltagsgegenständen spiegelt die jeweilige emotionale Verbindung der Leihgeber zu ihrem Stadtbezirk wider.

Da ist beispielsweise das Jahres-Abo für den öffentlichen Nahverkehr von Merz-Akademie-Rektor Martin Fritz oder Leiter, Zylinder und Kehrbesen von Bezirksschornsteinfegermeister Bernd Kaczmarek. „Es sind die Ge schichten zu den Objekten, die die Ausstellung so lebendig machen“, unterstreicht Gohl die Absicht des Museumsvereins Stuttgart-Ost, eine „Jedermann-Ausstellung“ im positiven Sinn zusammenzustellen. Jeder konnte mitmachen und „sein Ding“ zur Verfügung stel len. Das jüngste Ding ist eine Brezel vom Vortag, die eine Buchhändlerin mit ihrer Zeit verbindet, als sie im Osten eine Lehre gemacht hat und die Oma jeden Tag für die Vesperpause eine Brezel in die Buchhandlung brachte. Bücher, Fotos und Bilder wurden von den Machern des Museumsvereins originell auf Leitern, die mit Holzbrettern verbunden sind, arrangiert. Da sieht man ein gelbes Sparkässle neben einer „Badkapp“ vom Leuze. Gegenüber hängt ein „dauerentliehener“ Kleiderbügel vom Mineral-Bad Berg. Dazwischen ist ein altes Schlagzeug der Hingucker. Auf dem hat Ende der 50er- Jahre MUSE-O-Vorsitzender Peter Metzler in der ausgebombten Friedenskirche mit seiner Band Jazz gemacht. Einer der Mitspieler war sein Vetter, Dieter Spöri, der spätere Baden-Württembergische Wirtschaftsminister.

Ein weiteres Musikinstrument kam bei der Eröffnung durch Peter Launer zum Einsatz: ein altes, verstimmtes Klavier aus der Merz-Akademie. Das Piano ziert ein silbernes Graffiti der berüchtigten RIO-Gang. RIO steht für „Raitelsberg im Osten“. Zwei Tablets zeigen bewegte Geschichte. Ein Sieben-Minuten Film erzählt dokumentarisch vom Bau des Küblerschen Fabrikgebäudes in der Fuchseckstraße 7. Wesentlich kürzer, aber sehenswert, ist die Sequenz von „Pfarrerin Lenau“. Die ARDSerie aus den 90er-Jahren wurde teilweise in der Lukaskirche gedreht. Ein Foto zeigt den wiederaufgebauten Pavillon, der als Kulisse im Garten stand. Die alte Thekenfront des Laboratorium mit seinen unzähligen Aufklebern verbindet Geschäftsführerin Anette Battenberg mit dem Osten, in den sie sich vor 45 Jahren „das erste Mal verirrt hat“. Auf einem Foto aus Anfang der 70er Jahre ist Randy Schmid, der erste Chef des Hauses zu sehen.

400 Mails hat Ulrich Gohl geschrieben, um „das Lokale auf die Spitze treiben zu können“, wie er sagt. Viel Originelles, Überraschendes und Spannendes versammelt sich in den Museumsräumen. Leider nichts von Schulen oder von Menschen mit Migrations hintergrund und leider ganz wenig von jungen Menschen, bedauert der Museumsmacher. Aber vielleicht kommen im Laufe der Ausstellung noch ein paar „Dinger“, die dann in die Lokal-Schau integriert werden.

Mein Ding. Der Stuttgarter Osten in Objekten seiner Bewohner*innen. Eine MUSE-O-Ausstellung. Geöffnet Samstag und Sonntag 14 bis 18 Uhr. Eintritt: 2 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei. MUSE-O, Gablenberger Hauptstraße 130, 70186 Stuttgart Aktuelle Informationen stets unter: www.muse-o.de.