Vor gut einem Jahr haben sich die Fußball-Jugendabteilungen dreier Vereine auf der Waldebene Ost zusammengeschlossen und gemeinsam den „Fußball- und Sportverein (FSV) Waldebene Stuttgart-Ost“ gebildet. Der Prozess soll damit nicht zu Ende sein, jetzt wird die Gesamtfusion der drei Vereine angestrebt.

Der Sportverein (SV) Gablenberg, die Sportvereinigung (Spvgg) Stuttgart-Ost und der 1. Stuttgarter Fußballverein (FV) 1896 haben mit Michael Dalaker als hauptamtlichem Geschäftsführer – zurzeit auf einer halben Stelle – den neuen Verein ins Leben gerufen. Jetzt sollen auch erwachsene Fußballer und weitere bestehende Abteilungen integriert werden. Zwar stehen formal noch Beschlüsse für die Fusion aus, auf den Führungsebenen sei man sich aber einig, so Dalaker, „dass wir diesen Weg gehen werden, weil wir die bestehenden und auch neue Sportangebote nur gemeinsam erhalten beziehungsweise ausbauen können.“ Jeder Verein für sich allein sei kaum zukunftsfähig. Dass es für Vereine generell immer schwieriger wird, ihre Mitglieder für die aktive Mitarbeit zu gewinnen, ist ein bekanntes Problem. Auch der Fußball kämpft mit einem Mangel an Trainern und Betreuern. Auf der Waldebene Ost kommt eine besondere Situation hinzu: Die drei genannten Vereine, nebeneinander beheimatet, haben alle ihren Schwerpunkt im Fußball. „Das ist eigentlich Luxus“, sagt Michael Harnisch von der Spvgg. Denn alle halten ähnliche Sportanlagen vor, alle müssen ihre Vereinsämter besetzen. Und alle kämpfen ohnehin ums Überleben.

Der Zusammenschluss ist aus fußballerischer Sicht also naheliegend, zumal ein großer Verein mit vielen Teams für die Spieler und Spielerinnen attraktiver ist. Dort haben sie bessere Chancen, auf ihrem individuellen Leistungsniveau spielen zu können – seither war das oft Grund für einen Vereinswechsel. Im neuen Jugendbereich mache sich das schon deutlich bemerkbar, die Mitgliederzahl sei gestiegen, berichten die Verantwortlichen.

Vorbehalte gegen einen fusionierten Großverein haben eher andere Abteilungen. Der 1. FV 1896 betreibt allerdings ohnehin ausschließlich Fußball, beim SV Gablenberg gibt es neben dem Kicksport eine Ski- und Wanderabteilung. Die sei relativ klein und werde von einem größeren Verein eher profitieren, sagt Dalaker. Schwieriger könnte die Entscheidung bei der Spvgg sein, wo neben Fußball die Abteilungen Badminton, Turnen, Schwimmen und Tennis bestehen. Für sie stellt sich die Frage, ob sie sich in einem noch stärker fußballlastigen Verein am richtigen Platz sehen. Michael Harnisch ist davon überzeugt: „Es ist mit ein wichtiger Grund für die Fusion, dass man die Abteilungen stärken kann“, sagt er. Schließlich fänden sich unter den vielen Mitgliedern eines Großvereins bestimmt einige, die auch an den anderen Sportarten interessiert sind. Ob die Abteilungen das auch so sehen, wird sich zeigen. Sie müssen alle zustimmen, damit die Fusion stattfinden kann. Für die Entscheidung der einzelnen Abteilungen ist aber keine Einstimmigkeit erforderlich. Der Zusammenschluss bringe „eigentlich nur Vorteile“, sind sich Dalaker und Harnisch einig. Uwe Lutz, der Vor sitzende des FV 1896, hat sich nach eigener Aussage sogar nur wählen lassen, um die Fusion voranzutreiben – sonst hätte er, bisher stellvertretender Vorsitzen der, nicht kandidiert. Die Vorstände hoffen zudem, dass die Flächen auf der Wald ebene gemeinsam weiterentwickelt werden können. Die Vorstellung gehe in Richtung „großes Vereinszentrum mit Sporthalle, Parkplätzen und entsprechenden Sportanlagen“, beschreibt Harnisch. Die Stadt, die für die Pflege der Plätze und Anlagen verantwortlich sei, könne in einer Gesamtanlage rationeller arbeiten; folglich hoffen die Vereinsvertreter, dass sie auch zu investieren bereit ist.

Sicher ist, dass ein Großverein gegenüber der Stadt oder auch den Sportverbänden eine deutlich bessere Position hat. Beim neuen FSV, so er denn zustande kommt, rechnet man mit 1 000 und mehr Mitgliedern. Der Zeitplan sieht vor, dass die Fusion bis zum Jahresende über die Bühne geht und man 2021 unterm gemeinsamen Namen startet. Ob das angesichts der Verzögerungen durch Corona gelingt, weiß man allerdings derzeit nicht.

Die erste Saison beim FSV

Der FSV Waldebene Stuttgart Ost hatte als Verein einen guten Start. „Das erste Jahr beim FSV hat gezeigt, dass es funktionieren kann“, sagt Dalaker als Geschäftsführer des Vereins. Die Hin runde im vergangenen Jahr wurde schon unter dem neuen Namen gespielt. Mit Hilfe von Sponsoren sei es gelungen, alle 28 Teams mit neuen Trikots auszustatten, berichtet Michael Dalaker. Die Mannschaften machten teilweise in der bestehenden Zusammensetzung weiter, teils wurden sie neu zusammengestellt, wobei man möglichst leistungshomogene Gruppen zu formen versuchte. Bei der Rückrunde kamen dann die Corona-Beschränkungen dazwischen und lassen derzeit auch noch viele Fragen offen. „Wir hätten gern das Sommerhalbjahr gehabt, um unsere Turniere auf der Waldebene durchzuführen und bei der Langen Ost Nacht präsent zu sein“, sagt Dalaker, der um die Sponsoren bangt. Nutzlos verstrichen ist die Zeit dennoch nicht, es wurde weiter an einer bereits begonnenen Trainerkonzeption und der Leitkultur für den Verein gearbeitet. Beides kann auf der Website des Vereins nachgelesen werden, die in diesen Tagen online geht.