Filmteam interessiert sich für Handwerkstradition

Was sucht das südkoreanische Staatsfernsehen in Stuttgart- Gablenberg? Und welche Antworten findet es bei Metzler Schönes Wohnen? Davon kann Familie Metzler eine Geschichte erzählen, denn im November haben die Filmleute aus Asien ihren Handwerksbetrieb besucht und einen Tag lang gefilmt. Das Material floss in eine Dokumentation über mittelständische Unternehmen und Strukturen in Europa ein, die mittlerweile in Südkorea ausgestrahlt wurde.

Einen Zusammenschnitt der Stuttgarter Episode kann man auf der Facebook-Seite von Metzler Schönes Wohnen sehen – stark gekürzt auf knapp zwei Minuten, aber dennoch eindrucksvoll: Es ist schon kurios, die vertrauten Geschäftsräume mit koreanischen Schriftzeichen beschriftet zu sehen und Metzlers im O-Ton zwischen den asiatischen Reportern zu hören.

Insgesamt umfasst die gedrehte Doku in zwei Folgen mehr als eineinhalb Stunden. Das Filmteam hat dafür Italien, Frankreich und Deutschland besucht. Es ging den mittelständischen Strukturen nach, die auch für die deutsche Wirtschaft typisch sind und gerade in Krisenzeiten stabilisierend wirken. Auch das Genossenschaftswesen war ein zentrales Thema.

Südkorea selbst hat ganz andere Strukturen: Es hat in den 60er-Jahren als einer der sogenannten „Tigerstaaten“ ein gewaltiges Wirtschaftswachstum erlebt und sich vom armen Agrarstaat zum Hochtechnologie-Land entwickelt. Heute zählt es zu den wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt, mit Unternehmen wie LG, Samsung oder Hyundai und einem Schwerpunkt auf der Batterieproduktion für die E-Mobilität. Auch die Akademikerquote ist eine der höchsten weltweit. Doch das Land hat die Erfahrung gemacht, dass internationale Wirtschaftskrisen seiner stark von einzelnen Großkonzernen abhängigen Wirtschaft zusetzen. „Monopolartige Industrien sind anfällig gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen“, sagt Mathias Metzler und stellt dem das Genossenschaftsmodell als leistungsstarken Zusammenschluss vieler kleiner, eigenständiger Betriebe gegenüber.

Genau da lag auch das In teresse der Filmleute. Sie sprachen zunächst beim badenwürttembergischen Genossenschafts verband vor, der die „Südbund eG“, den Zusammenschluss von rund 580 Betrieben der Raumausstatterbranche, als beispielhaft aussuchte. Das südkoreanische Filmteam war in deren Zentrale in Backnang zu Gast und wollte darüber hinaus Mitgliedsbetriebe kennenlernen. Die Wahl fiel auf Metzler Schönes Wohnen als ein Familienbetrieb mit Tra di tion, auch in der Genos sen schaft: „Wir sind schon seit 1936 Mitglied“, sagt Mathias Metzler. Bei einem zweiten Betrieb in Heidelberg kam es nicht bis zum Dreh, weil die Südkoreaner auf der Anfahrt im Stau zu viel Zeit verloren.

So hatten Metzlers einen spannenden Tag mit ihren Gästen, die sich wider Erwarten garnicht für touristische Highlights oder weltbekannte Unter nehmen wie Daimler und Porsche interessierten. „Die hatten den Auftrag, kleinere Betriebsstrukturen zu filmen“, sagt Mathias Metzler. „Große Industrie haben sie ja.“ Das Modell der Genossenschaften, die nicht für den eigenen Profit, sondern für ihre Mitglieder wirtschaften deren Verhandlungsposition stärken, habe sie fasziniert, sagt Metzler: „Dass da nicht der Konzernboss am Ende der Kette steht, sondern wieder an die Gemeinschaft verteilt wird.“ In Metzlers Näherei in der Gablenberger Hauptstraße wur de ebenso gedreht wie im Geschäft, auch eine Kundin wurde interviewt. Aber auch die lange Tradition des Familienunternehmens sprach die Gäste an, von den alten Fotos waren sie begeistert. So kam es, dass schließlich sogar ein Bild vom Großvater Walter Metzler im koreanischen Fern sehen zu sehen war.