Um allen Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, ist es notwendig, Barrieren gezielt zu reduzieren. Je nach Einschränkung ergeben sich allerdings unterschiedliche Anforderungen an Barrierefreiheit. Das wurde beim Gang durch den Stuttgarter Osten mit Bezirksvorsteherin Charlotta Eskilsson deutlich. Gemeinsam mit dem Bezirksbeirat Stuttgart-Ost und Simone Fischer, Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung bei der Stadt, hatte sie zur Überprüfung der Situation eingeladen. Gut 50 Personen mit und ohne Behinderung nahmen an der zweistündigen Tour teil, die vom Schmalzmarkt über die Gablenberger Hauptstraße zur Talstraße und schließlich die Ostendstraße entlang zum Ostendplatz führte.

Die 1,3 Kilometer lange Route wurde von den Teilnehmenden auf die Tauglichkeit für Menschen mit Handicap überprüft, zahlreiche Anregungen von Rollstuhlfahrern, Blinden und Menschen mit Sehbehinderung aufgenommen. Die Erreichbarkeit eines Ladengeschäfts oder eines Restaurants ist auch für Ältere oder Eltern mit Kinderwagen davon abhängig, ob Stufen angebracht sind, ob es eine Rampe gibt und wie steil diese ist. Für Menschen mit geringem Sehvermögen sind Markierungen von Stufen sowie von Kanten im Eingangsbereich hilfreich. An Bushaltestellen fehlen akustische Ansagen, Fahrpläne hängen oft zu hoch, auch Sitzgelegenheiten in verschiedenen Höhen wären für kleinwüchsige Menschen gut und die Einstiegshöhen an Bordsteinen müssten korrigiert wer den. Baustellenabsicherungen können zu Stolper fallen werden. Behindertenparkplätze am Straßenrand, längs der Fahrtrichtung, sind für Selbstfahrer schwer nutzbar, da aufgrund des vorbeifahrenden Verkehrs die Fahrertür kaum ganz aufgemacht werden kann.

Stadtmöblierungen sind schön, können aber für Menschen im Rollstuhl und für Menschen mit Sehbehinderung gleichermaßen zur Herausforderung werden, wenn der Platz auf dem Bürgersteig eng wird oder Leitlinien und Aufmerksamkeitsfelder fehlen. Eine optische Hilfe wäre, etwa bei Pollern und Absperrpfosten, eine deutliche Markierung mit entsprechenden Bändern. Bordsteine an Querungen, die für Rollstuhlfahrer auf drei Zentimeter abgesenkt wurden, sind für Rollator-Nutzer schwierig zu überwinden und Blinde haben bei Schnee oder Laub Schwierigkeiten, die Kante zu ertasten. Sogenannte Doppelquerungen bieten einen neuen Lösungsansatz und sind für alle nutzbar. Sie besteht aus unterschiedlich hohen Borden, die mit Bodenindikatoren aus Rippen- und Noppenplatten ergänzt werden. Blinden ampeln wären an der verkehrsreichen Talstraße gut und Zebrastreifen von der Ostendstraße zum Mittelstreifen für die Bewohner der Karl-Olga- Altenpflege in der Fuchseckstraße eine Erleichterung.