Ehrenmünze für drei Ost-Bürger

„Eine ganz besondere Auszeichnung für ganz besondere Menschen“ durfte Bezirks vorsteherin Tatjana Strohmaier kürzlich in der Bezirksbeiratssitzung verleihen: Monika Benda, Gerhard Götze und Michael Harnisch wurden mit der Ehrenmünze der Stadt Stuttgart geehrt. Alle drei leisten seit Jahrzehnten in ihren Vereinen und mit ihrem Engagement „eine Unmenge an Arbeit, die im Hauptamt unbezahlbar wäre“, so Strohmaier. Sie bekämen die Auszeichnung aber auch stellvertretend für viele andere, die sich ähnlich engagierten.

Vom Radio bis zum Frauenfußball

Wenn er sich einbringt, dann richtig. Mit seinem Einsatz hat Michael Harnisch insbesondere den Frauenfußball und Handel und Gewerbe im Stadtbezirk gefördert. Kurz nach der Eröffnung seines „Sammler Eck Harnisch“ trat Michael Harnisch 1984 in den noch jungen Handels- und Gewerbeverein Gablenberg ein. Er wurde bald Schriftführer, gefolgt von verschiedenen weiteren Vorstandsämtern. Vor allem aber prägte Harnisch als ehrenamtlicher Chefredakteur von „Rundfunk aus Gablenberg“ das Bild des Stadtteils. Denn zur Zeit der ersten privaten Radiosender bekamen Gewerbetreibende einen Sendeplatz beim Stadtradio 107.7. Gefüllt haben ihn die Gablenberger, die von Montag bis Freitag täglich eine halbe Stunde eigenes Programm beisteuerten. „Wir hatten ein eigenes Studio hier in Gablenberg, komplett eingerichtet“, erinnert sich Harnisch, der für Themenauswahl, Programm und Organisation zuständig war. Fünf freie Reporterinnen erstellten die Beiträge. Der Aufwand war enorm, die Resonanz ebenfalls. Nach knapp sechs Jahren beendete man dann den Ausflug in die Rundfunkwelt. Im Handels- und Gewerbeverein Gablenberg ist Harnisch immer aktiv geblieben, rund 30 Mal hat er den großen Gablenberger Flohmarkt und ebenso oft Mai-, Weihnachts- und Martinimärkte maßgeblich mitorganisiert. Sein Herz gehört aber dem Fußball. Als junger Kicker trat er 1965 der Sportvereinigung (Spvgg) Stuttgart-Ost bei, wurde schnell Jugendtrainer, Jugendleiter, Abteilungsleiter und dann Vorsitzender des Gesamtvereins. Seine Tochter hat dann dafür gesorgt, dass er für den Frauenfußball wichtig wurde. Kathrin und ihre Freun dinnen, die zuvor bei den Jungs mitgespielt hatten, „haben so lange gedrängelt und gequengelt bis wir Eltern gesagt haben: Machen wir es halt“, erzählt Harnisch. Zusammen mit dem Ehepaar Mowlai gründete er 1997 die erste Mädchenmannschaft in Stuttgart-Ost, trainierte sie fünf Jahre lang und ist bis heute Spielleiter. Die Damen haben mehrere Meister- und Vizemeisterschaften errungen, stiegen in die Re gionalliga, die Landesliga und die Verbandsliga auf und spielen derzeit in der Oberliga Baden- Württemberg – der vierthöchsten Liga bundesweit.

Die Frau für den Stadtteil Berg

Monika Benda ist ein führender Kopf des Vereins Berger Bürger, dessen Vorstand sie seit der Gründung 2003 durchgehend angehört hat, seit fast zehn Jahren als seine Sprecherin. Der Verein ist Anlaufstelle für die Bürger Bergs und bringt sich bei Entwicklungsprozessen im Stadtteil aktiv ein. Ob beim Areal der Frauenklinik, beim Baur- Areal, bei der Villa Berg, dem Schwanenplatz oder in Sachen Verkehrskonzept und Einzelhandel: Immer wieder hat der Verein neue Impulse gegeben und unglückliche Weichenstellungen verhindert. Monika Benda werde auch stellvertretend für alle seine anderen engagierten Vorstandsmit glieder ausgezeichnet, sagte Bezirksvorsteherin Tatjana Strohmaier.

Der Mann für Recherchen

Gerhard Götze gehört zu den Menschen, die nicht unbedingt ganz vorne dran stehen wollen, sich aber zuverlässig über Jahrzehnte hinweg engagieren und dabei vieles anstoßen. Seit 1965 gehört er zu den Naturfreunden Stuttgart-Osten und hatte verschiedene Ämter inne – neben den Aktivitäten als Wanderleiter und Leiter der Fotogruppe. So hat er auch die regelmäßig in der Stadtteilbibliothek stattfindenden Fotoausstellungen ins Leben gerufen. Als sich 1996 der Kulturtreff Stuttgart- Ost gründete, war Gerhard Götze ebenfalls dabei. Er gründete die Broschürenreihe „Ostwege“ und wirkt an der Gestaltung der einzelnen Hefte aktiv mit, sowohl bei Recherche und Aufarbeitung als später auch bei Führungen im Stadtbezirk. Ähnlich ist es beim Arbeitskreis Stolpersteine, wo er die Recherchen mitbetreibt, neue Stolpersteinverlegungen vorbereitet und Rundgänge anbietet. Ebenso ist Gerhard Götze, vermittelt durch seine Frau Ruth, bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Stutt gart-Ost aktiv als Schriftführer und mehr.