Gartenarbeit auf Brasilianisch

Zwölf Schülerinnen packten freiwillig in der Hitze an

„Viele Hände, schnelles Ende“: Sabine Metzger vom Bezirksverband der Gartenfreunde gab das Motto aus, zwölf Schülerinnen aus Rio de Janeiro und ihre Lehrer packten an. Sie schaufelten und schleppten im „Kirschgarten“ in der Kleingartenanlage Klingenbach Substrat für das Gründach einer Laube, unbeirrt von rund 30 Grad im Schatten.

Die zwölf Mädchen aus Rio sind in freiwilliger Arbeit geübt: Sie engagieren sich alle im Sozialprojekt ihrer brasilianischen Schule. Und weil das renommierte Colégio Cruzeiro in Rio einst eine deutsche Schule war und noch heute mit Deutsch als erster Fremdsprache arbeitet, hatten die 16-Jährigen auch keine Verständigungsprobleme. Sie verbrachten insgesamt drei Wochen in Deutschland, zunächst in Berlin, dann in Gruppen aufgeteilt in verschiedenen Städten. Die Stuttgarter Gruppe war sehr angetan von der Schwaben-Metropole, in der sich zur Zeit ihres Aufenthalts die Feste und Festivals aneinanderreihten. Vormittags Deutschunterricht im Anglo-American Institut, nachmittags Exkursionen – und an ihrem einzig freien Nachmittag in der Woche schleppten die Mädchen also Eimer. Zusammen mit Sabine Metzger und Waltraud Ulshöfer, der Frau von Oberbürgermeister Fritz Kuhn, kamen sie in die Kleingartenanlage am Klingenbach, wo Kuchen, Brezeln, Äpfel und Getränke warteten. Organisatorin Metzger erklärte die besondere Bedeutung des Kirschgartens, der als Gemeinschaftsfläche für Schulen und Kindergärten dient. Aber auch die Kleingartenanlage insgesamt, so klein sie ist, sei sehr wichtig, gerade weil sie mitten in der Stadt zwischen großen Gebäuden liegt.

Dann hieß es schaufeln, Eimer tragen und aufs Dach hoch reichen, wo das Substrat verteilt wurde. Eine zehn Zentimeter dicke Schicht – also insgesamt 1,5 Kubikmeter Substrat sollte am Ende die Folie abdecken, als Wasserspeicher für Kühlung der Laube sorgen und zudem bepflanzt werden. Die Laube wurde kürzlich bei der Erweiterung des Kirschgartens gerichtet, das Gründach fehlte allerdings noch. „Für uns ist das wunderbar, dass das heute passiert“, sagte Metzger, „es ist wirklich eine echte Hilfe für uns.“ Sie mahn te die Mädchen immer wieder, ausreichend zu trinken und sich bei der Hitze nicht zu überfordern: „Geht nicht über eure Grenzen!“ „Der Brasi lianer kennt keine Grenzen“, hielt Matthias Baumann, Deutschlehrer an der brasilianischen Schule, dagegen – was die Mädels eifrig bestätigten. Überhaupt verkörperte die se rein weibliche Gruppe Frauenpower pur. „Wir brauchen keine Männer, wir sind selbständig!“, merkte Isabela an.