Wer verbindet bei diesen Bildern nicht positive Assoziationen: Inmitten blühender Wiesen und Bäume spazieren gehen, den Hund oder die Katze kraulen, das essen, wonach man gerade Lust hat. Für viele ist das ein Wunsch denken. Bei jedem drit ten Menschen in Deutsch land wird im Laufe seines Lebens eine allergische Erkrankung festgestellt. Rund 20 bis 25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen haben Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis – Tendenz zunehmend.

Allergien treten meist schon im Kindesalter auf und bleiben oft ein Leben lang bestehen. Manche bilden sich im Erwachsenenalter auch wieder zurück wie bestimmte Nahrungsmittelallergien, beispielsweise auf Milch oder Hühnerei. Oft sind die Beschwerden anfangs nicht sonderlich gravierend, werden aber im Laufe der Zeit stärker und es können weitere Erkrankungen hinzukommen. Heuschnupfen über Jahre hinweg kann zu einem sogenannten Etagenwechsel führen, das heißt, die Beschwerden treten dann in den unteren Atemwegen auf und es entwickelt sich ein Asthma.

Eine Allergie auf Pollen kann mit einer Allergie auf bestimmte Lebensmittel zusammentreffen – eine sogenannte Kreuzallergie. Diese tritt auf, weil die unterschiedlichen Allergene ähnliche Eiweiße enthalten, auf die das Immunsystem reagiert.

Was passiert eigentlich bei einer Allergie?

Nimmt unser Körper eine fremde Substanz über den Magen-Darm-Trakt, die Nase oder die Haut auf, prüft unser Immunsystem, ob es sich um einen Krankheitserreger handelt, der gegebenenfalls durch eine komplexe Abwehrreaktion bekämpft wird. Kann das Immunsystem aber nicht richtig schädliche Substanzen von unproblematischen Stoffen unterscheiden, wehrt es sich auf einmal auch gegen harmlose Stoffe, wie sie zum Beispiel in Pollen vorkommen.

Allergien werden in 4 Typen unterteilt, wobei die Typen I und IV am häufigsten vorkommen.

Typ-I-Allergien:

In diese Gruppe fallen fast 90 Prozent aller Allergien. Allergien gegen Gräser- und Baumpollen, Hausstaubmilben, Nahrungsmittel, Bienen- und Wespengift und Tierhaare zählen dazu. Das Immunsystem bildet ein Antikörper gegen das Allergen, um es zu bekämpfen. Die Antikörper veranlassen die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen wie Histamin, wenn sie das Allergen erkennen. Die wiederum lösen Symptome wie Schwellungen der Haut oder der Schleimhäute aus.

Typ-IV-Allergie:

Dieser Typ wird auch Spätallergie genannt, weil zwischen Kontakt und Auftreten der Allergiesymptome 24 bis 72 Stunden liegen können. Das allergische Kontaktekzem, hervorgerufen zum Beispiel durch Nickel oder bestimmte Duftstoffe, ist hier typisch. Allergenspezifische Immunzellen, die sich im Blut oder in den Lymphknoten im Unterhautgewebe befinden, wandern bei Kontakt mit dem Allergen in die Haut ein und lösen das Kontaktekzem aus.

Um eine Diagnose zu stellen, welche Art der Allergie vorliegt, gibt es verschiedene Tests. Der Pricktest ist der bekannteste und wird angewandt, wenn eine Allergie des Typs I vermutet wird. Der Arzt träufelt entsprechende Allergenlösungen auf die Haut an der Innenseite der Unterarme und sticht sie mit einer Lanzette leicht ein. Reagiert das Immunsystem auf den Fremdstoff, bildet sich binnen kurzer Zeit eine Quaddel und die Haut rötet sich.

Was tun bei Allergien?

Sind die Allergieauslöser erkannt, ist die wirksamste Methode, die damit verbundenen Beschwerden zu verhindern, diese Allergene zu vermeiden. Das kann bei einer Nickel- oder Erdnussallergie noch einigermaßen funktionieren, bei Heuschnupfen ist dies fast unmöglich. Hier können Medikamente wie Antihistaminika die Symptome lindern. Bei Allergien vom Soforttyp besteht auch die Möglichkeit einer Desensibilisierung. Ziel ist es, das Immunsystem langsam an die allergieauslösenden Stoffe zu gewöhnen und so die allergische Reaktion abzuschwächen.

Ein allergologisch tätiger Facharzt (das kann auch Ihr Hausarzt sein) kann den Auslöser für eine Allergie mit Hilfe von Tests feststellen; auch Ihre Apotheke wird Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Ulrike Reichert, Apothekerin, Passagen Apotheke