Aschenbecher für den öffentlichen Raum

Nicht nur die Stadtreinigung hat ihre liebe Not mit achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln. Offenbar landen tagtäglich mehr als 130 Millionen kleine braune Stummel auf deutschen Straßen. Auch auf Wegen, Plätzen, vor Kneipen und an Haltestellen im Stuttgarter Osten nerven die ver streuten Kippen die Passanten. Die extrem langlebigen Zellulosefilter, die sich erst nach vielen Jahren zersetzen, müssen zeitraubend entsorgt werden. Gelangen die Glimmstängelreste in die Kanalisation, wird das Abwasser zu dem durch die enthaltenen Schadstoffe stark belastet. Besonders drängend ist das Problem dort, wo Leute zusammenstehen oder warten, wie an den vier Bushalte stellen in Gablenberg, wo manchmal hunderte von achtlos am Boden ausgetretener Kippen für ein unschönes Bild sorgen. Abhilfe ist in Sicht. Ballot Bin und seit vergangenem Jahr auch Kippster sagen der Kippe den Kampf an. Eine gute Idee, die den beiden Handels- und Gewerbevereinen (HGV) in Stuttgart-Ost gefällt und für die sie bereit sind, Geld und Zeit zu investieren. Der Clou: diese coole Kippenboxen sind eine Art innovativer Aschenbecher für den öffentlichen Raum. Die handlichen Behälter bestehen aus zwei Klarsichtkammern, die individuell mit einer plakativen Frage, etwa „Bist du glücklich?“, beschriftet werden können. Raucher werden auf sympathische Weise motiviert, durch ihren Stummel mit „ja“ oder „nein“ über dem jeweiligen Behälter abzustimmen. Das Ergebnis ist am Füllstand ablesbar. Ein guter Grund für Raucher, Flagge zu zeigen, statt die Umwelt durch Achtlosigkeit zu belasten, damit nicht zwei von drei Stummel auf dem Boden landen, wie eine Untersuchung ergab. Übrigens ein teurer Spaß in Stuttgart: Kippenweg werfen ist eine Ordnungswidrigkeit, für die die Stadt satte 75 Euro verlangt.

Diese witzige Idee der Abstimmung mit Kippen stammt ursprünglich aus England und heißt Ballot Bin. Auf An regung des Fördervereins Sicheres und Sauberes Stuttgart wurden 2017 mit Unterstützung der Firma Kärcher an 17 Clubs und Bars in Stuttgart entsprechende Behälter angebracht. Eine Evaluierung ergab: wo die Ascher hängen, sind tatsächlich weniger Kippen am Boden. Inzwischen wurde Ballot Bin gemeinsam mit der Firma Karle Recycling von dem kleinen Stuttgarter Metallbauunternehmen Freese für hiesige Zwecke optimiert. Die schwäbische Variante heißt Kippster. Kostenpunkt: ab 379 Euro. Bei größeren Bestellungen sinkt der Preis. Der Förderverein Sicheres und Sau beres Stuttgart bezuschusst den Kippster mit 200 Euro pro Stück. Bislang wurden die öffentlichen Aschenbecher vom jeweiligen Jugend rat als Pate in Stuttgart- Mitte, Botnang und Degerloch aufgestellt. Wer den schicken, kleinen Müllbehälter erwirbt, muss den Standort mit der Stadt oder dem Eigentümer klären sowie für dessen Pflege und optische Erscheinung Sorge tragen.

Eine Möglichkeit, Gablenberg noch lebenswerter, sauberer und damit schöner zu machen, wären Kippster an Stellen, an denen Menschen zusammenstehen oder warten, wie an den vier Bushaltestellen in Gablenberg, wo unzählige Zigarettenstummel am Boden liegen, findet der HGV Gablenberg und seine Mitglieder. Leider zeigt man sich von Seiten der SSB ablehnend gegenüber der Idee des Handels- und Gewerbevereins, Kippster zu kaufen, an den Haltestellen anzubringen und zu pflegen. „Das Verhalten der Nutzer lässt sich leider auch durch noch so gut gemeinte Aktionen nicht verbessern“, so Peter Krauß, Leiter Fachbereich Bauwerke (TB). Er fürchtet, dass nach dem Abklingen einer ersten Begeisterungswelle, die Arbeit an der SSB hängenbleibt. Gerade aber an Haltestellen, wo Menschen die Wartezeit mit Rauchen verkürzen, sind Aschenbecher wichtig. Wo soll die ausgedrückte Kippe hin, wenn der Bus einfährt ? In den Mülleimer werfen geht nicht, wegen Brandgefahr. Es nutzt nichts, weggeworfene Stummel zu beanstanden, man muss sich auch Gedanken machen, wie das Problem beseitigt werden kann, findet der HGV und hält die Kippster- Lösung für effektiv. Eine charmante Lösung hat die Stadt Eislingen. Bürger können sich im Rathaus einen kostenlosen Aschenbecher to go holen. Darin können die Stummel ausgedrückt und bis zum nächsten Mülleimer transportiert werden.

Indes passt das Thema laut Gunter Schmidt, Geschäftsführer des Fördervereins Sicheres und Sauberes Stuttgart, zu der derzeit breit angelegten Sauberkeitskampagne der Stadt Stuttgart, mit der das Konzept „Sauberes Stuttgart“ stärker in den Fokus der Bürger rücken soll.