Pflegeeinrichtungen beraten gerne

„Die größte Säule der Pflege in Deutschland sind die Angehörigen“. Das kann man der Statistik entnehmen – Dreiviertel der fast 400 000 Pflegebedürftigen in Baden- Württemberg werden zu Hause versorgt, wiederum Dreiviertel von ihnen ohne Unterstützung von außen, ausschließlich durch die Familie. David Hagemann, Geschäftsführer von „Die Seniorenbegleiter“, erlebt das tagtäglich in seinem Beruf. Er kennt viele pflegende Angehörige, die ihren ganzen Alltag an den Bedürfnissen ihres Pflege bedürftigen ausrichten. Oft sind es Ehefrauen, die aufopferungsvoll ihre Männer pflegen – und oft suchen sie erst viel zu spät nach professioneller Unterstützung.

Dabei gibt es Gelder, die über die reine Pflegeleistung hinaus extra für Entlastung pflegender Angehöriger zur Verfügung stehen. „Davon wissen leider viele nichts“, sagt Hagemann. Als Beispiele nennt er den Entlastungsbetrag und die Verhinderungspflege. Der Entlastungsbetrag liegt derzeit bei maximal 125 Euro im Monat. Voraussetzung ist, dass der oder die Gepflegte in einen Pflegegrad – egal welchen – eingestuft ist und im häuslichen Umfeld versorgt wird. Für dieses Geld kann stundenweise jemand ins Haus kommen und die pflegebedürftige Person betreuen: mit ihr spazieren gehen, vorlesen, gemeinsam kochen, spielen… „Es ist inhaltlich nicht festgelegt, was in der Zeit passieren muss“, so Hagemann. Denn das Ziel ist, die An gehörigen zu entlasten und ihnen etwas Zeit für andere Dinge zu geben. Die 125 Euro müssen auch nicht jeden Monat ausgegeben, sondern können übers Jahr aufsummiert werden: Dann kann man das Geld beispielsweise auch für einige Tage Kurzzeitpflege oder Tagespflege einsetzen.

Speziell für den Urlaub, Krankenhausaufenthalte oder andere längere Abwesenheitszeiten der Pflegenden ist die Verhinderungspflege gedacht. Auch sie ist beliebig einsteilbar und beträgt bis zu 2416 Euro im Jahr. Voraussetzung ist hier mindestens Pflegegrad 2. Entlastungsbetrag und Verhinderungspflege können auch kombiniert werden.

Beide Leistungen sind gesetzlich geregelt und stehen den Angehörigen zu. Aber sie verfallen, wenn sie nicht in Anspruch genommen werden. Der Entlastungsbetrag braucht nicht vorab beantragt zu werden. Die Angehörigen gehen in Vorleistung und rechnen ihn dann mit der Pflegekasse ab. Für die Verhinderungspflege muss ein Antrag gestellt werden. „Da können wir gerne unterstützen“, sagt Hagemann. Auch sonst beraten die Seniorenbegleiter gerne rund um die stundenweise Entlastung und Alltagshilfe zu Hause. Denn eines wissen sie ganz sicher: wenn Pflegende den Schritt gehen, sich unterstützen zu lassen und sich selbst auch mal eine Auszeit zu nehmen, kommt das am Ende ihnen wie auch der Pflegeperson zugute.