In Stuttgart leisten auch Apotheken ihren Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Wieviel Wandel bleibt, wenn die Normalität zurückgekehrt ist?

Lange Schlangen vor der Apotheke, Schutzscheiben aus Plexiglas an den Verkaufstischen, starke Nachfrage beim Lieferservice. Die Corona-Krise hat die Arbeit der Apothekerinnen und Apotheker in Stuttgart stark verändert. Ein wenig hat der Andrang der Kunden mittlerweile zwar nachgelassen, die Mitarbeiter haben sich an die Situation gewöhnt. Aber die Herausforderungen bleiben gewaltig. Und es zeigt sich: Auch in Zeiten der Corona-Pandemie ist die Apotheke in der Nachbarschaft unverzichtbar.

Mit großem Einsatz versuchen die Stuttgarter Apotheken in der Corona-Krise die Bevölkerung mit Arzneimitteln und Medizinprodukten zu versorgen. Viele Kranke kommen in die Apotheke, husten oder niesen. Damit sich weder Kunden noch Mitarbeiter anstecken, sind alle Hygienemaßnahmen noch einmal verstärkt worden. Die Mitarbeiter tragen Handschuhe. Zwei Mal am Tag wer den die Verkaufstische des infiziert. Es dürfen immer nur 2 Kunden in die Apotheke, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können. Alle anderen müssen leider auf der Straße warten.

Gleichzeitig musste der Service, den die Kunden in normalen Zeiten gewohnt sind, eingeschränkt werden. Der Blutdruck zum Beispiel kann derzeit nicht gemessen werden, Bandagen können nicht anprobiert werden. Der Beratungsraum ist geschlossen. Auch viele Sonderwünsche können nicht erfüllt werden. Angesichts des immensen Arbeitsaufkommens muss die Arbeitszeit der Mitarbeiter effizient genutzt werden, um die Bekämpfung der Corona-Pandemie zu unterstützen. Zu den stark nachgefragten Artikel gehören seit Beginn der Corona-Pandemie Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel und Handschuhe. Sie sind zu einer Mangelware geworden, nicht jeden Wunsch kann eine Apotheke bedienen, vorrangig werden jene versorgt, die sich aus beruflichen Gründen schützen müssen, zum Beispiel Arztpraxen, Altenheime und Pflegedienste. Die Apotheken tun, was sie tun können. Viele gehen dabei auch ungewöhnliche Wege. Der Linden Apotheke und der Schwaben Apotheke in Gablenberg zum Beispiel gelang es, Atemschutzmasken direkt aus China zu bestellen. Desinfektionsmittel werden dort selbst hergestellt. Der Alkohol dafür stammt aus einer Brennerei im Schwarzwald. Weitere Bestandteile der Rezeptur, wie Wasserstoffperoxid und Glycerin mussten mühselig be sorgt werden. Zunächst gab es keine Kunststoffflaschen mehr, um das fertige Desinfektionsmittel abzufüllen. Doch da fand sich eine Lösung. Inzwischen wird das in der Apotheke selbst hergestellte Desinfektionsmittel in kleinen Mengen verkauft. Die Rezeptur dafür ist sehr einfach. Sie stammt von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und war ursprünglich für Ent wicklungsländer bestimmt. Jetzt leistet sie auch in Stuttgart gute Dienste.

Mehr Kunden denn je kommen mit Fragen oder Sorgen in die Apotheke. Sie gehört zu den ersten Anlaufstellen für Er krankte und ihre Angehörigen. Angesichts der vielen Gerüchte und Falschaussagen, die rund um das Thema Corona verbreitet werden, sind kompetente und seriöse Auskünfte unverzichtbar. Was stimmt denn nun? Wie kann ich mich schützen? Welche Atemschutzmaske schützt wirklich vor einer Ansteckung? Welche Schmerzmittel helfen bei einer Corona-Erkrankung? Wie lange darf man eine Maske tragen? Wie lange muss ein Infizierter in Qua rantäne? Auch im Backoffice hat die Arbeit zugenommen. Manche Arzneimittel sind vorübergehend nicht lieferbar. Bestellungen müssen neu disponiert werden. Das Telefon klingelt un ablässig. Mehr Kunden denn je nutzen in diesen Tagen zudem digitale Medien zur Übermittlung von Rezepten und Bestellungen. Im Flur stapeln sich die Kisten mit den Lieferungen des Großhändlers. Immerhin gibt es ein paar Erleichterungen bei der Abrechnung mit den Krankenkassen. Sie haben den Apotheken zudem mehr Entscheidungsbefugnisse eingeräumt. Viele Apotheken haben zugleich ihren Lieferservice ausgeweitet. Viele ältere und gesundheitlich vorbelastete Kunden lassen sich die Medikamente nach Hause bringen. Sie können diese per App, E-Mail oder Telefon bestellen. Wir alle hoffen, dass die Krise irgendwann vorbei ist. Dass Normalität in das Leben der Menschen und auch in die Apotheke zurückkehrt. Zugleich fragen sich viele Apotheker, was bleibt, wenn die Corona-Pandemie eingedämmt ist? Die Apotheke in der Nachbarschaft wird bleiben.

Dorothee Seils, Linden- und Schwaben-Apotheke